Grenzgänge

Heute habe ich folgenden Link auf Facebook gepostet und dazugeschrieben, dass ich (im Verlaufe der nächsten Wochen) auf einige Punkte eingehen möchte:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/chronisch-krank-gute-tage-schlechte-tage-1.3156938

Der Artikel passt zu mir und zu meinem Projekt, aus meinem Leben zu berichten. Der Artikel spricht mir in vielen Punkten aus dem Herzen.

Ja, man weiss nach einem achtmonatigen Schub tatsächlich, wen man noch im Leben haben möchte und wen nicht mehr. Ersteren fühlt man sich dafür umso mehr verbunden, und sie wissen meistens wohl gar nicht, welche Dankbarkeit man ihnen gegenüber empfindet.

Ja, man kann chronisch krank sein und gut aussehen; ja, man kennt starke Medikamente, heftige Nebenwirkungen, Spritzen und Infusionen; ja, man hat das Unwissen und Unverständnis gewisser Leute satt; ja, man will nicht immer wieder erklären müssen – vor allem, wenn es nichts bringt (!) -; ja, man möchte manchmal in die Handtasche greifen und die Krankengeschichte hervornehmen; ja, man kann trotzdem reisen und es sogar sehr gut haben auf Reisen, wenn man ein paar wichtige Fragen vorgängig geklärt hat: Wie lauten die Telefonnummern von mindestens zwei Internisten in der Nähe? Wann arbeiten sie? Wo liegt das nächstgelegene Krankenhaus?

Ja, man kann darüber reden, schreiben, singen oder sich sonst auf eine Art ausdrücken, mit dem Ziel, anderen, die sich vielleicht nicht oder weniger gut ausdrücken können, auch zu helfen; und ja, man kann glücklich sein, vielleicht sogar glücklicher als ohne die schwierigen Erfahrungen.

Auf dem Beitragsbild von gestern ist die Grenze zwischen Licht und Schatten deutlich zu sehen. Die Flamingos stehen im Schatten; ein Schritt, und sie sind im Licht, das erst durch den Schatten seine Bedeutung bekommt. Die Linie dazwischen ist schmal; die Linie zwischen den guten Tagen und den schlechten Tagen ist manchmal auch schmal. Eigentlich ist sie für uns alle schmal, nur verdrängen das viele. Mit chronischen Erkrankungen geht das Verdrängen nicht mehr. Die schlechten Tage heissen in der Fachsprache dann Schub, die guten Tage heissen Remission. In der Remission gibt es auch Schatten; während eines Schubs gibt es auch viel Licht.

Heute war ein Tag voller Herbstlicht, und wir waren im Zürcher Zoo. Taieb half am Morgen für zwei Stunden als Kindervolontär im “Zoolino” mit. Am meisten haben es ihm die beiden Riesenschweine Igor und Johanna angetan, und seine Bilanz von heute Mittag war: “Johanna ist viel frecher als Igor, sie hat schon einmal ein Huhn gefressen!” Die Spielplätze im Zoo sind ein Eldorado für Kinder. Auf dem Weg zwischen “Zoolino” und Spielplatz schaute ich einem kleinen Mädchen mit roten Locken zu, wie es einen Plüsch-Schneeleoparden fest an sich drückte. Ich sprach sie an, und sie blieb stehen und lachte mir zu. Ihr jüngerer Bruder mit den gleichen roten Locken lachte ebenfalls.

Ich bezweifle, dass aus den Ferien auf Kreta noch etwas wird. Alle Flüge sind total ausgebucht, und auch der freundliche und sehr redselige Herr aus Freiburg im Breisgau konnte mir nicht wirklich helfen, obschon er sich sehr bemüht hatte. Nun versuchen wir es wohl mit Super-Last-Minute oder ändern die Destination. Vor dem Putschversuch in der Türkei hätten wir auf Rhodos oder einer anderen griechischen Insel problemlos etwas bekommen, letztes Jahr um diese Zeit auch noch. Das bekräftigte der Herr vom Reisebüro, und ich bin sicher, dass er nicht weiss, wie seine Aussage mir auch auf einer anderen Ebene guttat. Ich wäre also unter “normalen” politischen Umständen in “normalen” Jahren gar nicht zu spät gewesen.

Das neue Album von Chris habe ich zwar auch etwas spät, dafür gleich vierfach bestellt: einmal für im Haus, einmal für im Auto und zweimal zum Verschenken. Menschen, denen ich dankbar bin. Wer wohl die beiden “Opfer” sein werden?! 🙂

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