(Un)sichtbar

Heute Morgen hatte ich einen Termin für Fussreflexzonenmassage. Die Alternativmedizin ist eine wunderbare Ergänzung zur Schulmedizin. Aber bei ernsthaften organischen Erkrankungen greift in den weitaus meisten Fällen zuerst die Schulmedizin. In Notfallsituationen wie der gestern beschriebenen und ähnlichen, die ich erlebt habe, rettet die Schulmedizin. Dann sind Feuerwehrübungen notwendig, weil es brennt. Zum Beispiel Kortison. 100 mg. Sobald die Brände gelöscht sind, bietet die Alternativmedizin nützliche Ergänzungen. Dem einen mag Akupunktur helfen, der anderen Ayurveda. Das findet jede und jeder am besten für sich selbst heraus.

Mir hilft Fussreflexzonenmassage. Ich finde sie angenehm und glaube, dass sie nützt. Schon ein paarmal war ich erstaunt, wie die Therapeutin merkte, welches Organ entzündet war, ohne dass ich es ihr vorgängig gesagt hätte. Wie schon erwähnt, habe ich drei Autoimmunerkrankungen. Die eine ist seit Herbst 2012 ruhig, und wenn ich Glück habe, meldet sie sich vielleicht gar nie mehr oder nur selten und schwach. Die zweite ist die autoimmune Dermatitis, über die ich gestern ein bisschen mehr berichtet habe und die wir seit zwei Jahren gut unter Kontrolle haben. Die dritte kann ebenfalls die Haut, verschiedene innere sowie äussere Organe, die Gelenke, die Muskeln und die Gefässe – so gut wie alles – betreffen.

Damit wäre ich wieder bei der Fussreflexzonenmassage angelangt: Mich fasziniert, wie die Therapeutin meistens richtig liegt mit ihren Vermutungen, welche Körperteile betroffen sind. Heute habe ich sie darum gebeten, die Reflexzonen der Nebennieren zu behandeln und anzuregen, damit sie die körpereigene Cortisol-Produktion möglichst bald wieder aufnehmen. Ich möchte wieder schlafen können – in der Nacht. Tagsüber schlief ich früher nie; das wäre mir nicht einmal in den Sinn gekommen. In den letzten Wochen aber ging es gar nicht anders, und ich schlief, wenn die Kinder aus dem Haus waren, zwei bis drei Stunden. Nicht jeden Tag, aber drei- bis viermal pro Woche. Das half schon, und es ging mir am Nachmittag gut. Aber ich möchte, dass der Schlaf-/Wachrhythmus sich bald wieder zu normalisieren beginnt. Denn ich habe verschiedene Pläne…

Am letzten Freitag hatte ich Klavierstunde – die erste nach den Sommerferien. Die Nerven- und Venenprellung am linken Arm spüre ich beim Klavierspielen und anderen speziellen Bewegungen schon noch, aber es geht. Eine Verletzung oder auch eine “normale” und harmlose Krankheit bedeutet für mich – und viele andere Betroffene – immer auch eine gewisse Angst, dass sie einen Schub auslösen könnte. Darum war ich zu Beginn etwas beunruhigt; nach acht Monaten hätte ich das nicht auch noch gebraucht.

Auch wenn jemand um mich herum eine Erkältung oder andere Infektionskrankheit hat, ist das für mich – und viele andere Betroffene – ein grösseres Problem als für Menschen, die keine chronischen Erkrankungen haben. Die Immunsuppressiva unterdrücken das Immunsystem und fahren es herunter, damit es nicht mehr so heftig gegen eigenes Körpergewebe vorgeht. Damit werden Betroffene aber anfälliger für jegliche Infektionskrankheiten und – wie schon einmal beschrieben – auch für Krebs: Der Körper erkennt Krebszellen oder eindringende Infektionserreger eben vielleicht nicht, weil das Immunsystem heruntergefahren werden musste. Das ist so unter Prednison – und noch viel mehr unter Imurek. Auch darum steht die Packung ungeöffnet in meinem Spiegelschrank. Wie die Packung Temesta. Ungeöffnet. Lieber brauche ich den Nagellack. Die Fläschchen sind alle geöffnet.

Es gibt nicht nur Neben-, sondern auch Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten. Ein Medikament, das bei mir gut gegen die eine Erkrankung hilft, kann die andere auslösen. Das ist natürlich super…! Die Behandlungen werden so zusätzlich erschwert, und es ist immer ein Abwägen, Abschätzen und Ausprobieren. Letztlich ist es dann jeweils so, dass wir uns “für” die dritte Erkrankung entscheiden. Also für diejenige, die in der Fachliteratur als schwere Erkrankung bezeichnet wird…

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