Partynudel

Das Beitragsbild zeigt den Blick, den ich heute Morgen vom Frühstückstisch aus hatte. Ich liebe Bougainvilleas. Sie sind für mich zusammen mit Oleander und Hibiskus das sichere Zeichen, dass ich in einem Land südlich der Schweiz bin. Manchmal bleibe ich stehen und betrachte die Blüten. Oder den Vollmond. Oder das blaugrüne Meer und die Wellen, die an die Felsen der kleinen, hübschen Bucht schlagen. Das habe ich auch früher schon getan, aber seit den drei Diagnosen öfter und bewusster. Den Sangría habe ich bewusster genossen. Begegnungen mit Menschen erlebe ich bewusster.

Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich (vorerst) nur eine Diagnose bekannt gebe, da ich mir einen gewissen Privatraum belassen möchte. Das Gleiche gilt für die Tatsache, dass ich meinen Mann selten erwähne. Dazu habe ich mich (vorerst) bewusst entschieden. Dass ich offen und ehrlich bin, merken die Leser und Leserinnen meiner Texte wohl schnell. Das bleibe ich auf jeden Fall; ich kann und will gar nicht anders. Aber ein gewisses Bedürfnis nach Privatraum habe ich natürlich auch, und darum hatte ich mir überlegt, wie ich diesen bewahren kann.

Dass chronische Erkrankungen alle Ebenen im Leben beeinflussen und einen in sämtlichen Lebensfragen auf die Probe stellen, soll hier gesagt sein. Dazu gehören die Partnerschaft, die Beziehungen zu den Kindern, der Beruf, die Freizeit, die Freundschaften und verschiedene andere Beziehungen. Man kann daran zerbrechen oder daran wachsen. Ich bin daran gewachsen, aber es war ein Kampf. Der Schritt, darüber zu schreiben, hat viel Entspannung gebracht. Ich wünsche allen Betroffenen eine Möglichkeit, sich auszudrücken, und die dadurch eintretende Entspannung.

Mein Mann ist zudem aus einem Kulturkreis, wo man nicht in der Öffentlichkeit über Privates spricht. Er ist tolerant, und ich kann kurze Röcke tragen, Schweinefleisch essen und Wein trinken, wann und wo ich Lust dazu habe. Auch darum möchte ich respektieren, dass er nie so viel Privates erzählen würde. Vielleicht werde ich es eines Tages doch tun, wenn es für uns beide stimmt, und vielleicht werde ich eines Tages auch die anderen beiden Diagnosen bekannt geben. Das weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht, und das ist auch gut so.

Schreiben und Verarbeiten sind ein Prozess, dem man die natürliche Entwicklung möglichst lassen sollte. Dass ich mich in gewissen Punkten wiederhole, ist Absicht. Ich möchte Schwerpunkte setzen, meine Hauptanliegen hinüberbringen, aufzeigen, aufklären und für Gerechtigkeit einstehen. Dazu muss ich mich manchmal wiederholen. Überdies dient es dem Verständnis, wenn eine Person zum Beispiel nur einen Beitrag liest und die vorangegangenen Beiträge nicht kennt.

Hier in unserem Hotel-Appartement ist das Wasser (leicht) salzig. Das habe ich schon lange nicht mehr gehabt; für die Kinder ist es das erste Mal, und ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. Wir sind nicht zimperlich; es ist eigentlich kein Problem. Ausser dass ich am Morgen etwa eine Stunde vor dem Frühstück ein Medikament einnehmen und dazu möglichst viel Wasser trinken muss. Also habe ich am Nachmittag ein paar Flaschen Mineralwasser gekauft, denn deziliterweise Salzwasser trinken, kann ich dann doch nicht…

Bei erwähntem Medikament ist es besonders wichtig, dass man möglichst viel Wasser dazu trinkt, weil es – nebst einer Reihe anderer Nebenwirkungen – Entzündungen im Rachenraum und in der Speiseröhre auslösen kann. Das möchte ich auf keinen Fall; ich habe ja sonst schon immer wieder Entzündungen innerer Organe, der Augen oder der Gelenke. Damit das nicht auch noch passiert, trinke ich jeweils einen halben Liter Mineralwasser dazu. Die Behandlung hat mit den Hautproblemen zu tun, damit wir sie weiterhin so gut unter Kontrolle haben wie seit zwei Jahren.

Taieb und Naila haben sich mit dem Nachbarsmädchen vom angrenzenden Appartement angefreundet. Sanja ist zehn Jahre alt, kommt aus Bonn und ist mit ihrer ursprünglich italienischstämmigen Grossmutter hier. Naila ist hin und weg, aber ich habe den Eindruck, Sanja hat fast ein bisschen mehr Freude an Taieb, der davon nichts merkt… 🙂

Macht nichts, die drei haben lange miteinander gespielt, gebadet und gegessen. Beim Ballspiel haben wir auch mitgemacht; ich musste einfach immer die Sonne im Rücken haben, im Gesicht vertrage ich sie noch nicht. Vielleicht sollte ich dem Optiker dann gleich sagen, ich bräuchte auch eine Sonnenbrille. Wenn das keine Ausnahme war und die Augenentzündungen von jetzt an in dieser Heftigkeit auftreten, wäre das wohl keine schlechte Idee. Doch das Ballspiel hat Spass gemacht!

Beim Abendessen wählten wir das Buffet. Das ist schon nicht das Gleiche wie eine traditionelle Mahlzeit in einem einheimischen Restaurant. Aber es ist praktisch mit den Kindern und für mich eben auch ganz gut, weil die Vielfalt an Gemüse, Beilagen und Fleisch auch eine Vielfalt an Nährstoffen beinhaltet. Es wird zwar in Grossproduktion zubereitet, aber frisch.

Eine weitere der zahlreichen Nebenwirkungen von Kortison ist der Entzug gewisser Nährstoffe, zum Beispiel Kalium. Kaliummangel kann zu verschiedenen Störungen führen, zum Beispiel Herzrhythmusstörungen. Solche habe ich auch, vor allem während der monatelangen Prednisonbehandlung waren sie recht häufig und ausgeprägt. Kortison hat zudem einen negativen Effekt auf die Knochendichte, und Osteoporose oder sogar Brüche können die Folge sein. Um dieses Risiko zu vermindern, sollte man möglichst viel Kalzium zu sich nehmen.

Das weiss ich alles, aber im Alltag ist es nicht immer einfach, auch noch daran zu denken. Andererseits müsste ich, je nachdem welche inneren Organe entzündet sind, gewisse Nährstoffe einschränken. Es kommt vor, dass es dann genau diejenigen sind, die ich aufgrund der Kortisontherapie vermehrt zu mir nehmen müsste. Dabei geht es nicht nur um Kalium und Kalzium, sondern um eine Reihe weiterer Nährstoffe. Ein kleiner Teufelskreis…, einer von mehreren.

Soeben kam Taieb vom Abendprogramm zurück, stolperte über die Terrassentür herein und erklärte: “Naila tanzt noch.” 🙂 🙂

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