KGB oder KKK – von einer Industrie der besonderen Art

Meinen letzten Beitrag hätte ich auch “Von Keller, Korruption und Kurmann” nennen können. Die Alliteration hätte dadurch eine gewisse Steigerung erfahren. Warum “Kurmann”? Keine Ahnung, nur so eine Idee…, der Alliteration zuliebe. Vielleicht hat “Kurmann” etwas mit der Korruption, die ich meine, zu tun, und Keller, Gottfried Keller, wie im Beitrag erwähnt, stellt so eine Art Gegenentwurf dar. Für mich zumindest. Die Leidenschaft und die Liebe zur Literatur, zur Musik und zur Natur brauche ich momentan ganz besonders als Gegenpole zum Kampf gegen Ungerechtigkeit.

In meinem letzten Beitrag war wohl nicht alles klar und verständlich; dessen bin ich mir bewusst. Darum versuchte ich auch mein Dilemma auszudrücken: Ich hätte einiges auf Lager, muss bzw. will aber damit noch zuwarten, bis die Sache vorüber ist; zumindest das Gröbste. Denn je nachdem, wie es ausgeht, entscheide ich mich, das eine oder andere zu verzeihen und für mich zu behalten oder eben nichts, gar nichts auszulassen. Dann wird klar und verständlich, was ich womit gemeint habe und worum es geht.

Soweit ich weiss, gibt es zum Beispiel in Deutschland die Frage nach selbst- oder nicht selbstverschuldeter Kündigung gar nicht. In der Schweiz schon. Wir sind nett, ich weiss, und wir sind sozial, total sozial, ich weiss. (Was die Österreicher wohl dazu meinen bzw. wie die Österreicher dies wohl handhaben?) Bei uns kann also ein Arbeitgeber behaupten, der oder die Arbeitnehmende sei selber schuld an der Kündigung. Das mag in gewissen Fällen sogar zutreffen oder zumindest teilweise zutreffen. Im Zusammenhang mit drei diagnostizierten chronischen Erkrankungen, eine davon eine schwere, ist es aber eine unerhörte und unglaubliche Anmassung zu behaupten, die Leistungen seien in der Zeit, die der Kündigung voranging, nicht mehr gut gewesen, und gleichzeitig so zu tun, als ob diese Tatsache nichts mit den Krankheiten, ihren weitreichenden Auswirkungen sowie mit den Nebenwirkungen von Medikamenten zu tun habe. Ich möchte diejenigen, die sich anmassen, so zu tun – es sind nur wenige, aber dies reicht (!) -, einmal in meinem damaligen Zustand sehen. Ich möchte sie sehen, sie hören, sie erleben. Sie beobachten, sie filmen. Um die Filme sogleich wieder zu löschen. Denn es wären hässliche Filme. Ich möchte wissen, wie sie damit umgehen würden, wie sie gegen Wölfe kämpfen würden, wie sie weiteren Herausforderungen – nebst den Wölfen – gewachsen wären. Denn auch mit dem Verhalten darf man in der Schweiz argumentieren und es offenbar als Grund anführen. Seltsam nur, wenn ein halbes Jahr zuvor alles noch (sehr) gut war und dies in einem Bericht und einer “Beurteilung” ausgewiesen ist. Genau wie im drei Jahre vorangegangenen Bericht und der entsprechenden “Beurteilung” auch. Seltsam, seltsam…

Eigentlich muss ich mir überhaupt nichts vorwerfen lassen – ob krank oder nicht krank. Ich habe das Semester der Schule zuliebe durchgezogen, habe alles, was notwendig war, gemacht, nicht gut, aber genügend, und war unter hochdosiertem Prednison und damit verbundenem Schlafentzug – nicht Schlafmangel, das war Entzug, und zwar immer wieder über mehrere Monate andauernd und massiv – gereizt, dünnhäutig und unkonzentriert. Das ist “alles”. Ich habe nicht gestohlen, ich habe nicht betrogen, ich bin nicht gewalttätig geworden. (Ha, ha…) Undenkbar, absolut undenkbar. Da liegen Welten, Welten zwischen meinem damaligen Zustand, den damit zusammenhängenden Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensweisen, die tatsächlich bedenkens- und nennenswert wären. Die andere Seite?! Die will natürlich nicht zugeben, dass sie nur ein Ziel verfolgte: mir zu kündigen. (Was man an vielem merkt(e), zum Beispiel an der verfrüht abgeschickten und danach für nichtig erklärten Kündigung…; wie witzig…, ist auch meiner Anwältin aufgefallen…) Und nicht zugeben, dass ich krank war. Und dass sie genau wusste, dass ich krank war. Nun gut…, dies zu beweisen, ist nicht schwierig, wirklich nicht. Die andere Seite?! Für die macht es sich schlecht, einer Angestellten in meinem Anstellungsverhältnis zu kündigen. Und wegen “Krankheit” zu kündigen. Sehr sozial…! Und danach nicht zuzugeben, dass wegen “Krankheit” gekündigt wurde, weil ja eben so sozial, so wahnsinnig sozial…, und so zu tun, als ob ich nicht genügend kommuniziert hätte… Aber eben, an sich kein Problem; dazu existieren wirklich genügend Schriftlichkeiten.

Einerseits fehlen mir die Worte, um auszudrücken, was die Behauptung mit der “Selbstverschuldung” in mir auslöst; andererseits weiss ich, dass meine Ärzte und Ärztinnen diese Behauptung problemlos widerlegen können und werden. Drittens zeigt sie mir, was für einen grossen Fehler ich gemacht hatte, mir so wenig wie möglich anmerken zu lassen und “alles” noch irgendwie durchzuziehen. Mein bisher grösster Fehler. Im Nachhinein wird nämlich behauptet, man habe ja gar nicht gewusst, dass ich über zwei Monate vor der eigentlichen Krankschreibung krank war. Nicht gewusst?! Da gibt es doch irgendwo ein Email aus der Zeit zwischen Weihnachten 2015 und Neujahr…; ein Email, in dem ich die Kortisontherapie erwähne und die darauf basierende Absage des Abendkurses. Die 8%- anstelle der längst fälligen 100%-Krankschreibung. Der Schule zuliebe. Noch einmal: die Kortisontherapie zum Spass?! All die Nebenwirkungen zum Spass?! Schade, dass ich während der Prednisonzeiten nie zugenommen hatte…, schade. Dann hätte man endlich mal was gesehen. Fast alle nehmen zu. Mondgesicht. Stammfettsucht. Wir kennen die Bilder. Ich habe nie zugenommen. Soll Gott oder der Teufel wissen, warum. Ich war ja so froh darum, so dankbar. Es hätte mir einen Teil meiner Identität genommen. Ob ich zur Zeit noch dankbar und froh darum sein soll, weiss ich nicht… Weil: Dann hätte man endlich mal was gesehen. Abgesehen von der Gewichtszunahme hatte ich ja etliche und zum Teil heftige Nebenwirkungen…, von denen man nichts gesehen hat. Wie so oft…

“Kurmann” und Korruption passen auf wundersame Weise in diese unselige Geschichte. “Die ganze Gutachterei können Sie eh vergessen; das ist eine Industrie.”, sagte meine Anwältin. “Im Moment, wo Sie bei denen zur Tür hinausgehen, haben die Sie vergessen.” Und sie weiss es, sie hat viel, zu viel Erfahrung damit. Die Fälle, von denen sie mir erzählt hat, empören und erschrecken mich. Und alle sagen sie das Gleiche. Alle: die Ärzte und Ärztinnen, die sich lieber ihrem Kerngeschäft widmen würden und die Nase voll davon haben; die Anwälte und Anwältinnen, die an allen Fronten kämpfen; sämtliche Fachpersonen, die aufgrund ihrer Tätigkeit wissen, wie dieses System läuft: diese Industrie der Gesundschreibung, diese Industrie der Bagatellisierungen und Manipulierungen, diese Industrie der Abhängigkeiten. “K” wie Kurmann, “K” wie Korruption.

Und “K” wie Keller. Gottfried Keller. Nächstes Mal gehe ich mit auf den Ausflug an den Rhein, mit auf den Literaturweg. Nächstes Mal gehe ich mit, bade und “brätle” mit Pia und Naila, schaue Holly, der Hündin, zu und lese die Gedichte. Sonnenschein hin oder her.

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