Ausgekostet…

Gestern im Lago Maggiore, heute in der Melezza: wunderschön! Die Melezza ist kalt, deutlich kälter als der See, das Wasser glasklar. Darin tummeln sich ganz kleine, dünne Fische. Dem Frosch, der davonsprang, als wir über die Steine kletterten, zurück ans Ufer, von dem aus wir hinübergeschwommen waren, schien die Kälte nichts auszumachen.

Weil es so schön war und so guttat, beschlossen wir, zwei Stunden später als geplant das Postauto zu nehmen und nach Hause zu fahren. Morgen fängt zwar die Schule wieder an, ein neues Schuljahr und für Taieb auch der Übertritt in die Mittelstufe, aber das grüne Wasser der Melezza, in dem die sie umgebenden Bäume sich spiegeln, die von der Sonne gewärmten Felsen und der Sand zwischen den Zehen waren uns wichtiger als die Schultaschen, die jetzt halt nicht perfekt ausgerüstet und vorbereitet sind. Was solls…, die Kinder sind erfüllt von allem, was sie in der Natur gesehen und erlebt haben, und das ist die Hauptsache.

Die beiden vergangenen Nächte schliefen sie im Zelt, dem Wald ganz nah. In der ersten Zeltnacht kam ein ziemlich heftiges Gewitter auf; Nora und ich holten die drei Abenteurer hinein. In der zweiten Zeltnacht geisterte die Puppe Assassin in den kleinen Köpfen herum; Naila bekam Angst und erschien weinend bei uns. Später kam auch Taieb, und Hjalmar verzog sich in sein Kajütenbett. Am Morgen mussten sie mit Schrecken feststellen, dass ihre Kaulquappen – in unterschiedlichen Entwicklungsstadien – nicht mehr in den mit Grünzeug und Steinen gefüllten und mit einem Netz überdeckten Plastikboxen waren. Nicht die Puppe Assassin, sondern eine Krähe hat Nora in Verdacht, so eine richtig grosse, schwarze Krähe, die unheimliche Laute erzeugte und eben wahrscheinlich der Forsch- und Beobachtungsstation ein (vorläufiges) Ende setzte.

An die Melezza gingen wir nach dem Mittagessen. Wenn ich auf den Steinen ausrutschte und mit den Füssen in Spalten zwischen zwei Steinen oder in eine Ansammlung von Steinen hineinrutschte, tat das natürlich weh. Das tut es wohl sowieso ein wenig; mit seit Jahren beschädigten Fussgelenken aber noch (viel) mehr. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Wanderungen mir gezeigt haben, dass weiteres Hinauszögern der Operationen nicht mehr sinnvoll ist. Vielleicht ist es ganz gut, wenn ich die erste und dringendere Operation, diejenige des rechten Fussgelenks, jetzt ernsthaft plane. Vielleicht ist es ganz gut, sie bereits für den Winter ins Auge zu fassen. Mal sehen, was der Orthopäde meint.

Er wird sofort sehen, dass es notwendig ist. Sogar Herr K. (!) hatte bemerkt, dass mit den Fussgelenken nicht alles in Ordnung ist, und hat es in seinem sprachlich wie inhaltlich haarsträubenden und menschenverachtenden Bericht festgehalten. Dass Verformungen von Knochen, durch krankheitsbedingte Fehl- und Überbelastungen entstanden, schmerzhaft und behindernd sind, hat er selbstverständlich nicht hingeschrieben. Sind sie aber. So, dass ich auch vergangene Nacht lange nicht einschlafen konnte und noch wach war, als Naila vor der Puppe Assassin fliehen musste…

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