Entspannt in die nächste Runde

Meine Blog-Statistiken sehen ganz gut aus. Ich muss mich jetzt unbedingt dahinter machen, ihn mehr zu verbreiten. Da liegt wohl noch einiges drin. Und vor allem habe ich noch einiges zu berichten und möchte die unverhältnismässig unterhaltsame Geschichte ja niemandem vorenthalten. Der Tag wird kommen, an dem ich den Personen, vor allem jemandem, dankbar sein werde für so viel halb-kriminellen Inhalt. Und das, obschon ich, seit Matula nicht mehr auftritt und Claus Theo Gärtner eine (andere!) Schweizerin geheiratet hat, mit Krimis überhaupt nichts mehr am Hut habe.

Mit Krimis nicht, mit Bestsellern schon gar nicht. In den Buchhandlungen mache ich einen grossen Bogen um sie. Aber wenn mir jemand schon so viel Stoff liefert bzw. mich ihn durchleben lässt, dann kann ich aus dem halb-kriminellen Inhalt vielleicht eine Art Bestseller machen. Mit dem nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass ich das Beschriebene wirklich erlebt habe, mit Fleisch und Blut, Kopf, Hand und Herz. Vielleicht handle ich jetzt auch einmal so richtig kühl und berechnend, vielleicht fordere ich jetzt auch einmal knallhart. Und wenn meiner knallharten Forderung nicht nachgekommen wird, dann schreibe ich ihn halt: den Halb-Krimi, den ich nicht erfunden habe.

Was ich schon mal vorwegnehmen kann: Die Sache ist für mich gut ausgegangen; der Versuch, mich mundtot zu machen, ist – auch offiziell – gescheitert. Das wäre er zwar sowieso, aber es ist für mich so natürlich entspannter. Oder auch nicht… Jetzt bleibt denjenigen, die mich zum Schweigen bringen wollten, nämlich nur noch eine Lösung: mich zu erschiessen. Am besten mit der Waffe, die ich unter meinem Kopfkissen versteckt habe. (Nicht lachen!)

Entspannung ist immer willkommen. Ich habe sie nicht gerade im Überfluss. Der Anspannungslevel im Leben mit chronischen Krankheiten ist immer höher als bei gesunden Menschen. Man weiss nie, was kommt. Tag für Tag nicht. Man kann nicht darauf hoffen, dass es nach ein paar Tagen, Wochen, Monaten vorbei sein wird; man kann die Stoffe, die man nicht verträgt, nicht meiden; man kann nicht einfach ein paar Medikamente reinhauen, um sich besser zu fühlen. Man muss jeden Tag von Neuem schauen, was kommt, und sich darauf einlassen. Man wird immer wieder ausgebremst, und die Kunst besteht vor allem darin, den durch die Ausbremsung dazugewonnenen Raum zu erkennen und zu nutzen.

Vor zwei Wochen wusste ich, dass ich irgendwann die Fussgelenke würde operieren müssen. Das weiss ich schon seit ein paar Jahren. Dass es nächstes Jahr, vielleicht sogar schon dieses Jahr notwendig sein wird, weil die Schmerzen nach den Wanderungen im Tessin stark waren und mich in der Nacht nicht mehr schlafen liessen, wusste ich vor zwei Wochen noch nicht. Das weiss ich erst seit zehn Tagen. Jetzt habe ich einen Termin bei meiner Hausärztin, die mir eine Überweisung für die Schulthess-Klinik ausstellen wird.

Kaum waren die Sommerferien im Tessin vorbei, kam mein Badekleid wieder zum Vorschein: im Koffer, den wir über die Auffahrtstage (Christi Himmelfahrt) dabei hatten. Mein grünes Badekleid. So eine Art Froschgrün. (Immerhin besser als das braune, das ich während der Schwangerschaften trug.) Einen Tag später entdeckte Naila auf dem Dachboden, wo sie für Taieb ein Postauto suchte – Macho, ich weiss 😉 -, gleich noch ein Badekleid von mir: Türkis. Es ist wirklich schön; so schön, dass ich heute Nachmittag nicht wusste, ob ich den Bikini oder das türkisfarbene Badekleid anziehen sollte. Fast hätte ich Rahel gefragt. Oder Yannik und Taieb. 🙂

Der hat sich mittlerweile an den Bikini gewöhnt und wollte nicht mehr aufhören, mit mir Ping Pong zu spielen. Auch Finan war dabei. Ich hatte ihn mitgenommen, da sie am Abend Fussballtraining hatten und ich ihn jeweils auch hin- und zurückfahre. Finan ist aus Eritrea und gut integriert. Als ich lange krankgeschrieben war und mehr Zeit zur freien Verfügung (bezahlter Urlaub, genau (I love you)) hatte, sorgte ich dafür, dass er dem Fussballclub beitreten konnte. Das war sein Wunsch gewesen, aber offenbar hatte niemand anders dafür sorgen können oder wollen. Es sei kompliziert, die richtigen Kontakte würden fehlen, hiess es. Gut…, ich hatte ihn mit einem einzigen Telefonanruf auf der Liste für die Probetrainings (oder Schnuppertrainings, wir sind ja hier noch knapp in Helvetien); danach konnte er in der gleichen Mannschaft wie Taieb trainieren. (Das war ein Telefonanruf zu Gott gewesen, klar. Hätte ihn auch gleich fragen können, warum mein Kortison nicht mehr wirkte.)

Auch zum Schwimmen und Schlittschuhlaufen habe ich Finan schon mitgenommen. Wenn ich es schon nicht packe, hier alles sein und liegen zu lassen und in Krisengebieten zu helfen, weil ich unsere Kinder nicht aus allem herausreissen möchte, dann helfe ich wenigstens im Kleinen ein wenig.

Diejenigen, die nach Terroranschlägen mit sich selbst Erbarmen haben, weil sie ihren Urlaub in ein anderes Land verlegen müssen (warum eigentlich? Ich sehe die Logik nicht…), könnten dies doch auch tun. (Und es dann auf Facebook posten. Zwingend.)

Vielleicht tun sie es ja…, wer weiss…

 

 

 

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