Von Noten, Zeugnissen und einem 19:1

Nachdem Taiebs Fussballmannschaft vor einer Woche ein sozusagen internationales Spiel – sie spielten gegen unsere deutschen Nachbarn aus Jestetten – gewonnen hatte und die Stimmung im Auto auf dem Rückweg dementsprechend heiter war, folgte am Samstagmorgen die grosse Ernüchterung: 19:1. Man stelle sich das mal vor…! Und das Beste: Wären wir vor etwas mehr als vier Jahren nicht nach Eglisau gezogen, sondern in Kollbrunn geblieben, hätte Taieb am vergangenen Samstag zu den Siegern gehört. So aber musste er zwar nicht taten-, aber erfolglos mitansehen, wie seine ehemaligen Kinderkrippengefährten aus Kollbrunn einen Schuss nach dem anderen im Eglisauer Tor versenkten.

Dafür kam er vorgestern mit seiner ersten Bewertung aus dem Handarbeitsunterricht nach Hause: 26 von 30 Punkten, eine 5,5 als Note berechnet. Was mich freut, zumal diese Note differenziert und transparent zustande kam und zumal meine eigenen Handarbeitsnoten um zwei Noten tiefer lagen…, aber irgendwo musste die Pubertät eben ausgelebt werden. Da ich alle anderen Schulfächer gerne oder sehr gerne hatte, blieb nur die Handarbeit übrig. Das gab dann sogar einmal ein “genügend” im Betragen. Huaaa, ich bin jetzt noch stolz darauf!

Taiebs Sorgen gelten sowieso nicht den Noten; vielmehr beschäftigt ihn meine Operation, von der ich, wie auch schon erwähnt, wusste, dass sie mir eines Tages bevorstehen würde, jedoch nicht gedacht hätte, dass sie so schnell notwendig würde. Vielleicht wäre es anders, wenn wir nicht wandern gegangen wären. Aber jetzt sind wir nun mal wandern gegangen, und es ist, wie es ist. Jedenfalls hat ihn die Tatsache, dass ich keine Vollnarkose haben werde, etwas beruhigt, denn seine Hauptsorge war, dass ich nicht mehr aufwachen würde. (Auch meine grösste Angst vor der Operation der Nasenscheidewand vor nicht ganz drei Jahren; und dann die Panik, ich hätte beim Gewicht zu viel angegeben und bekäme deshalb eine zu hohe Dosierung des Narkosemittels… (Zugegeben, ich muss heute selbst ein bisschen darüber lachen.))

Jedenfalls werde ich keine Vollnarkose haben. Zufälligerweise habe ich gestern am Radio von einem Mann gehört, der bei der Operation seines Kniegelenks das Knirschen der Chirurgen-Werkzeuge nicht hören wollte und daher Kopfhörer überstülpte und Musik hörte. 🙂

Den Fragebogen möchte ich diese Woche noch ausfüllen; es belastet mich, wenn er liegen bleibt, und vor allem sind die Schmerzen jetzt einfach so, dass es nicht mehr lustig ist (gut, lustig war es nie, aber erträglich) und dass ich zum Beispiel letzte Nacht wieder ziemlich lange nicht einschlafen konnte.

Zuvor war ich mit meiner Freundin aus Wallisellen essen gegangen: sie japanisch (Sushi) und ich thailändisch (Panang Curry mit Gemüse und Tofu, scharf…!!). Sie arbeitet im HR. Und sie war entsetzt, was ich ihr so erzählte (nein, nichts Erfundenes; Fantasy ist nicht mein Ding), wobei sie selbst auch von ein paar Erfahrungen der besonderen Art aus der Arbeitswelt zu erzählen hatte…

Wie auch immer: Mein Fall ist trotzdem ziemlich krass. Findet auch sie, nicht erst seit gestern. Kein Arbeitszeugnis erhalten?! Was meint denn das OR (Obligationenrecht) dazu? Da hat es ein paar Paragraphen, und in einem davon steht, dass Arbeitszeugnisse unaufgefordert spätestens bei Vertragsende ausgestellt werden müssen. Fair, wohlwollend und das Weiterkommen der Arbeitnehmenden nicht behindernd. Genau. Und wie war das jetzt bei mir? Ich wurde vor die Wahl gestellt: Willst du nur eine Bestätigung oder ein Zeugnis? Im Zeugnis müssen wir dann aber deine Krankheiten erwähnen…

Ja, danke. Das ist doch nett. Und vor allem: Es ist falsch. Aber dazu müsste man halt nicht nur das OR, sondern auch Gerichtsentscheide kennen… Es gibt in der Schweiz einen wegweisenden Bundesgerichtsentscheid: Krankheiten dürfen im Arbeitszeugnis nur dann erwähnt werden, wenn sie die Leistungen und/oder das Verhalten der Arbeitnehmenden massgeblich beeinflusst haben. Wenn sie das jetzt haben (was bei mir phasenweise (sozusagen schubweise, das haben schubweise verlaufende Krankheiten so an sich…; schwierig zu kapieren, ich weiss!) schon zutraf), wenn sie das jetzt also haben, heisst das aber, dass “Krankheit” der Kündigungsgrund war (was auch so ist und woran die Wahrnehmung von Unbetroffenen nichts ändert); und wenn der Kündigungsgrund “Krankheit” war, dann hat dies wiederum Folgen, die einem Arbeitgeber nicht passen könnten… (Es geht – auch – um Geld, bingo! (Und bei mir um meine Gesundheit bzw. um drei diagnostizierte Krankheiten. Darum stapeln sich auf meinem Pult so viele medizinische Unterlagen; sieht übrigens toll aus.))

Nun ja, aber dann sollte man sich auch nicht mit solchen Sätzen selbst ein Ei legen. Der Brief ist nicht rückgängig zu machen. Und an den nicht eingehaltenen Abläufen und Fristen gibt es ebenfalls nichts mehr zu rütteln. Nur wenn “Krankheit” der Grund ist, darf man bestimmte Abläufe umgehen und vorgegebene Fristen nicht einhalten. Hmm… Und jetzt wieder so lange mit dem Zeugnis auf sich warten lassen, ist gerade noch einmal keine gute Idee. Wenn dieses Verhalten nämlich mein Weiterkommen behindert, was ich (bald) befürchte, könnte ich Schadenersatz fordern. We’ll see…

Wir haben aber auch viel gelacht gestern Abend, zum Beispiel über Sprüche unserer Kinder. Meistens schreibe ich mir die diesbezüglichen Highlights auf und könnte auch daraus ein kleines Buch machen. Oder zwei kleine Bücher: eines mit Stilblüten von Naila (besonders ergiebig) und eines mit solchen von Taieb.

Dem Grund, warum es mir letzte Woche vom Dienstag an nicht gut ging, sind wir jetzt auch auf der Spur. Das Blutbild vom vergangenen Freitag hat es ans Tageslicht bzw. aufs Papier gebracht: Die Leukozyten- und Thrombozyten sind ausserhalb des Normbereichs. Nicht alarmierend, was schon mal beruhigt, aber doch so, dass es nach einer Infektion aussieht; einer bakteriellen Infektion der Nieren, um etwas genauer zu sein.

Das ist gerade nochmals nicht lustig, ich bin aber trotzdem ziemlich aktiv. (Komisch, ich weiss…) Rahel, Yannik, Taieb und ich sind nämlich in der Kinderspielhalle Berolino in Lauchringen (D). Die Jungs vergnügen sich auf den Klettergerüsten, Rutschbahnen und Trampolins; Rahel und ich finden die Preise für Kaffee und Kuchen äusserst angenehm. Später fahre ich Taieb und Finan ins Fussballtraining: Heute ist Foto-Shooting angesagt.

Nach dem Sieg gegen Jestetten vor einer Woche waren die beiden besonders begeistert über die Vorteile des Schweizerdeutschen: “Ja, die sind us Düütschland cho, die händ au Hochdüütsch gredet und gar nöd verschtande, wänn mir ihne so Sache gseit händ, Schwuchtle und so…” 🙂

 

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