Der Diebstahl

Jetzt sind noch mehr Formulare zum Ausfüllen eingetroffen, nämlich von der Immunologie des Universitätsspitals Zürich, und aus dem halben Tag, den ich diese Woche einsetzen wollte, wird bald ein ganzer Tag, den ich für nächste Woche einplanen muss. Niereninfektionen machen müde und abgeschlagen, und die trotzdem vorhandene Energie setze ich lieber für die Kinder, für Freundschaften, für das Kochen, für Hobbies und den Auf- und Ausbau interessanter Kontakte ein als für Formulare.

Dies darf jede(r) nach Belieben interpretieren; ich glaube, der Dienstag, Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche haben mir definitiv und endgültig gezeigt, dass mir jegliche Interpretationen von Leuten, die von sich aus gehen und meinen, dies stimme dann so, egal sein müssen. An diesen drei Tagen war ich so abgeschlagen, antriebs- und energielos (von aussen nicht mal gross merkbar, weil ich irgendwie funktionierte), dass ich nicht nur dachte, der in dieser Form noch nie dagewesene Zustand sei ein schlechtes Zeichen für den Therapieverlauf, sondern auch keine Worte gefunden hätte, ihn zu beschreiben. Auch jetzt nicht.

Ich habe schon geschrieben, ich würde alle Arten von Müdigkeit kennen. (Und tatsächlich, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Müdigkeit sind beträchtlich (!) und – gewissermassen logisch – auf die ganz unterschiedlichen Ursachen zurückzuführen.) Na ja…, letzte Woche habe ich eine weitere Art kennengelernt, die alle anderen übertraf und die ich nicht beschreiben kann. “Word Artist” hin oder her. Darum schrieb ich auch nur, irgendetwas stimme nicht. Sehr vage, ich weiss. Aber lieber vage bleiben, wenn ich ganz genau weiss, dass ich keine Chance habe, diesen Zustand, der Ängste auslöste und lähmte, in Worte zu fassen. So im Nachhinein bin ich fast froh, dass es sich “nur” um eine Niereninfektion handelt. Da geisterten mir ein paar andere Möglichkeiten durch den Kopf, obschon ich gelassen blieb und eigentlich schon vermutete, dass es mit allem, was ich halt so habe, zusammenhänge.

So ist es jetzt ja auch; die Niereninfektion ist wahrscheinlich auf das (durch Imurek bzw. Azathioprin) unterdrückte Immunsystem zurückzuführen. Die Rücken- und Bauchschmerzen sind somit ebenfalls erklärbar, und ich hoffe einfach, dass ich nicht so weit komme, ständig (niedrig dosierte) Antibiotika einnehmen zu müssen. Das fände ich gar nicht gut, und ich werde alles daran setzen, das Immunsystem auf andere Art dazu zu bringen, die Fremdlinge und Krankheitserreger trotz Unterdrückung (die mich vor viel Heftigerem bewahrt) zu erkennen und zu bekämpfen – wenigstens ab und zu, sodass ich nicht ständig erkältet bin oder, kaum bin ich es mal nicht mehr, sonst eine Infektion auftritt. Aber – unter anderem – diesen Punkt werde ich am 5. Oktober auf der Immunologie des USZ anbringen können. Vorausgesetzt, die ausgefüllten Formulare treffen schön brav eine Woche vorher (also in einer Woche!) dort ein…! 😉

Natürlich ist dies nicht mein erster, nicht mein zweiter und auch nicht mein dritter Termin am USZ, aber ich bin froh, dass die Fachärztin, bei der ich am letzten Freitagmorgen war, veranlasst hat, dass jetzt (wieder) einmal einheitlich und umfassend abgeklärt wird, wie es mit der Autoimmunität aussieht und wo sie sich wie manifestiert. Es waren ja nicht nur diese Abgeschlagenheit sowie die auffälligen Leukozytenwerte und weitere Werte ausserhalb des Normbereichs; es war auch das Gewicht, das mit 60,5 Kg mit Kleidern, Schmuck und Frühstück bei meiner Grösse schon eher an der unteren Grenze war. (Hiermit ein spezieller Gruss an Herrn K.; “SIE hätten bestimmt keine Skrupel gehabt, auf 63 aufzurunden, nicht?”)

Wenn das Gewicht in dem Bereich ist, merke ich das auch, kann aber nicht viel oder gar nichts daran ändern. Es liegt nämlich nicht daran, dass ich weniger essen würde (ausser wenn die Magenschleimhaut betroffen und also entzündet ist, dann schon…, aber ändern kann ich auch dann nicht viel…); es passiert einfach und ist ebenfalls ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt. Das hatte ich schon gemerkt, und anderen war es auch aufgefallen. Sandra sprach mich offen darauf an; manche schauen jeweils einfach so, dass ich es wiederum merke. Diejenigen, die mich kennen, wissen, was ich habe, und/oder wissen, dass ich gerne esse, und stellen keine falschen Vermutungen an. Aber mit “fremden” Leuten ist das schon passiert; selten zwar, trotzdem unangenehm.

Wobei: Irgendwie ja auch egal… Heute wollte ich gar nicht schreiben. Aber weil ich die verordnete Menge Tee noch längst nicht getrunken hatte, stellte ich den ganzen Krug mit Tee neben das Bett und fing eben doch noch an zu schreiben. Jetzt ist er zur Hälfte geleert, und die Bakterien sind hoffentlich bald ersäuft. 🙂

Naila hatte andere Sorgen: Sie hatte Angst vor dem Einschlafen, weil sie letzte Nacht etwas ganz Schlimmes geträumt habe, erzählte sie. “Was dänn?” “Dass e Frau mich gschtohle hät.”

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