Innen und aussen – einmal anders gemeint

Kaum hatte ich im Beitrag mit dem Titel “Patrizia” über mögliche Bedeutungen der Initialen S. G. P. nachgedacht, wurde ich an die nächste Generalversammlung der Grünen Partei eines unserer Nachbarbezirke eingeladen. Das ist kein Witz. (Es hat nur nichts mit dem Text zu tun, genau.) Jedenfalls werde ich am 1. Dezember an besagter GV teilnehmen, den Operationstermin so legen, dass ich dann noch oder wieder einigermassen gehen kann, und mich darauf in der Partei engagieren. Sie bräuchten unbedingt moderne Frauen, hiess es.

Das möchte ich schon seit einiger Zeit, fühlte mich aber nirgends richtig zugehörig, weil meine äussere Erscheinung nicht der typischen Erscheinung von links und/oder grün politisierenden Frauen entspricht. Das kommt eigentlich nicht darauf an, ich weiss schon, aber es hat mich halt doch manchmal irritiert und vom ersten Schritt abgehalten. Am vergangenen Freitagabend habe ich jetzt aber – dank meiner Mitarbeit bei einer Zürcher Regionalzeitung – eine Frau kennengelernt, die bei der Grünen Partei, im Naturschutzverein und im Bildungsbereich tätig ist und die auch nicht “selbstgestrickt” daherkommt. (Bei mir würde “selbstgestrickt” ja sozusagen nackt bedeuten, weil ich ja nicht mal stricken kann…)

Anyway, das war ein Glücksfall für mich, da ich an genau diesen Bereichen ebenfalls interessiert bin, mich engagieren möchte und eventuell auch beruflich – nebst dem Schreiben natürlich – früher oder später in den Bildungsbereich zurückkehre. Da gäbe es in der Schweiz nämlich mehr zu tun, als wohl gemeinhin angenommen wird.

Nachdem ich jetzt eineinhalb Wochen trotz der Niereninfektion tagsüber nie im Bett (und aktiv!) war, hatte ich gestern Morgen keine Option. Vielleicht ganz gut so; nach dem Schlafen war ich wieder ziemlich fit. Naila durfte bei Pia essen; sie hatte nämlich “Hot Dogs”, eine von Nailas Lieblingsspeisen, zubereitet und klingelte, als Naila von der Schule nach Hause gekommen war, bei uns, um Naila einzuladen.

Darüber war ich doppelt froh – erstens, weil ich mich jetzt wirklich ein bisschen schonen muss, damit die Infektion weggeht und nicht noch mehr daraus wird – Hals- und Schluckweh sind nämlich bereits dazugekommen -, und zweitens, weil die Resten von unserem vorgestrigen Abendessen nur noch für zwei Personen reichten. Ich hätte sie natürlich den Kindern überlassen und für mich ein Joghurt oder etwas Ähnliches genommen. Aber da ich momentan zumindest versuchen sollte, dafür zu sorgen, dass das Gewicht wieder etwas hinaufgeht, war das umso besser so. Darum fuhr ich dann später noch zur Bäckerei und kaufte “Vermicelles”… 🙂

Taieb hatte sich nicht nur Sorgen wegen der Operationen meiner Fussgelenke gemacht; auch die Idee mit dem Tatoo passt ihm gar nicht. Er findet sie doof, äusserte aber auch seine Bedenken in Bezug auf meine Gesundheit. Das fand ich einerseits natürlich süss, andererseits gab es mir auch zu denken. Aber ich muss die Tatsache, dass die Kinder einiges gesehen und mitbekommen haben, was nicht zum “normalen” Alltag gehört, akzeptieren. Ich akzeptiere sie auch, ich rede mit den Kindern manchmal darüber, und ich gebe ihnen, indem sie mit vielen Menschen in Kontakt sein dürfen, die Möglichkeit, auch ausserhalb der Familie darüber zu reden. Das geht dank meiner Offenheit. Sie hilft den Kindern.

Mir hilft sie oft auch, manchmal schadet sie mir auch. Damit habe ich gelernt umzugehen; meistens sind Leute, die einem Offenheit vorwerfen, ja nur neidisch, weil sie irgendwo und irgendwie verklemmt sind und, wenn sie ehrlich oder stark genug wären, auch sehr gerne erzählen würden. (Und dann gibt es natürlich diejenigen, die von der Persönlichkeit her introvertiert sind, aber Extrovertiertheit niemandem vorwerfen. Das ist natürlich vollkommen in Ordnung, genauso in Ordnung wie das Darüberreden.)

Ein Blog sei Selbstdarstellung, habe ich auch schon gehört. Das mag bei gewissen Blogs stimmen; und ja, Reiseblogs zum Beispiel gibt es genug. Mehr als genug. Für Rezepte oder Gartenarbeiten brauche ich auch keinen Blog, aber Blogs, in denen Menschen aus ihrem Leben, das – wodurch auch immer – besondere Herausforderungen beinhaltet, berichten, finde ich interessant, lehr- und aufschlussreich, berührend und wertvoll.

Dies war auch mein Ziel, ist es – nachdem ich mich fast hätte davon abbringen lassen – wieder und wird es immer bleiben. Dass ich dabei kein Blatt vor den Mund nehme, vor allem wenn es um Ungerechtigkeiten geht, dass ich nicht immer alles schön und gut und nett und wunderbar finde (buaah, wie langweilig – und wie unehrlich!), dass ich mich für viele Themen interessiere, diese in meinen Blog einbaue und meistens eine klare Meinung dazu habe, ändert an den wesentlichen Zielen meines Blogs überhaupt nichts.

Wenn dies (ein paar wenige) Leute stört, soll es sie stören – ich wiederum störe mich je länger, je weniger an dem, was andere denken oder zu wissen meinen. Und übrigens: Für Selbstdarstellung gäbe es sehr viel geeignetere Formen, Mittel und Kanäle als einen Blog. Das sind genau diejenigen, wo ich nicht einmal ein Account habe: Twitter und Instagram lassen grüssen, um nur zwei davon zu nennen. Auch Facebook gehört dazu, wenn ein Selfie nach dem anderen gepostet oder eine Feriendestination nach der anderen bekannt gegeben wird – mit nichts dazwischen. Wer Selbstdarstellung betreiben will, geht vor wie Z. P., selbsternanntes Social Media Starlet aus Zürich. Sehr speziell…

Heute Morgen waren wir auf Kurzbesuch in Deutschland, Naila ging in Lottstetten reiten. Taieb spielt einen Fussballmatch (nach dem Resultat werde ich mich gar nicht zu erkundigen trauen), und später besuchen wir den Herbstmarkt in Freienstein. Danach gehe ich – aus genannten Gründen – ins Bett. Ich möchte die Herbstferien nämlich im Ausland und nicht im Spital verbringen.

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