Komisch, nicht?

Ich hab wieder mal Post von der Unfallversicherung bekommen. „Jetzt kommt sie doch noch, die alles entscheidende Frage.“, dachte ich. Aber weit gefehlt: Es handelt sich um einen Fragebogen zur (diesjährigen) Zufriedenheit mit der Versicherung. Da es sich um die „nette“ (Busunfall Dublin) der beiden mir bekannten Unfallversicherungen handelt – wenn ich das wieder mal so schrecklich undifferenziert formulieren darf (!) – werde ich mir nächste Woche Zeit nehmen und die Fragen beantworten. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass diese Versicherung sich für die Zufriedenheit der Patienten und Patientinnen interessiert; wahrscheinlich schneidet sie tatsächlich besser ab als andere Versicherungen. (Für diese Vermutung spricht übrigens nicht nur meine persönliche Erfahrung…)

Ob ich von der AXA (Treppensturz zu Hause, siehe Beitragsbild) auch einen Fragebogen erhalte? Ich bezweifle es… Von der BVK habe ich schliesslich auch keinen erhalten; meine Zufriedenheit mit Herrn K. und dem verlogenen System könnte ich allerdings nie und nimmer mit ein paar Antworten auf vorgegebene Fragen zum Ausdruck bringen. Darum hab ich ja den Brief an Herrn K. geschrieben, allen Beteiligten geschickt und veröffentlicht. Der Brief, der die Statistiken in ungeahnte Höhen schweifen liess…

A propos Statistiken: Ich habe sie im letzten Beitrag „nur“ erwähnt, weil ich, bevor das Jahr zu Ende geht, noch einmal Klarheit in meine Prozesse, die ich nicht plane, sondern geschehen lasse, bringen wollte und weil ich das Gefühl hatte, dies der Mehrheit meiner Leserschaft zu schulden. Ich habe sie erwähnt, um einen Einblick zu geben, was im Frühling und im Sommer so abgegangen war. Und es war wirklich erst ein Einblick…; eines Tages werde ich auspacken – muss nur noch ein paar Monate warten… Ich hoffe jedoch, dass ich allfällige Verwirrung trotzdem schon auflösen konnte.

Ich habe die Statistiken erwähnt, um zu zeigen, dass ich ziemlich viel über meine Leserschaft herausfinden könnte, wenn ich denn wollte. Aber ich habe bis jetzt noch nie nachgeschaut und hoffe ebenfalls, dass mich nie wieder Versicherungen, Behörden oder paranoid veranlagte Angestellte so weit bringen, es tun zu wollen. Ich und eine Waffe?! „Paranoia“, sagte meine Bekannte und erfahrene Psychologin, „Paranoia“. Dann mussten wir lachen. „Ich wüsste nicht einmal, wo ich eine Waffe beschaffen könnte“, erwiderte ich, „und wenn ich es wüsste, hätte ich keine Ahnung, wie ich sie halten müsste.“ „Und wenn du sie noch halten könntest, würdest du so damit herumfuchteln und zittern, dass du dich selbst erschiessen würdest…“, stellte sie sich die Situation vor. Wir mussten noch mehr lachen.

Und noch eine Frage an paranoid Veranlagte: „Wisst ihr, was? Sogar wenn ich eine Waffe beschaffen könnte und wüsste, wie sie zu halten ist, wäre ich oft gar nicht in der Lage, sie zu halten. Ich wäre sozusagen zu schwach dazu. Habt ihr euch das mal überlegt? Wenn nämlich eine der beiden bekannt gegebenen Krankheiten aktiv ist, schwächt mich das – auch wenn ihr das nie gemerkt habt; wenn beide gleichzeitig aktiv sind – darum ist „Imurek“ so „cool“: zwei Fliegen auf einen Schlag (oder mit einem Schuss, aber der Witz ist auch alt…) -, weil der Wolf Herrn Crohn mal wieder provozierte und dieser zurückschlug, schwächt mich das enorm, und ich bin schon froh, wenn ich am Morgen die Bürste halten kann. Komisch, nicht? Würde man nie denken…, nicht? Und wenn ich Infusionstherapien habe, so, wie jetzt zum Beispiel, kann ich einen 2,5 Kilogramm schweren Sack mit Kartoffeln, einen drei Kilogramm schweren Sack Teigwaren oder vier Liter Orangensaft mit dem Arm, wo ich die Infusionen habe, nicht tragen. Ich kann den Arm auch sonst nur eingeschränkt brauchen. Ich konnte an der Schule oft die Bücher nicht alle zusammen aufs Pult tragen, sondern musste dies in Etappen machen. Und das war nur eine von zahlreichen kleineren und grösseren Einschränkungen.“

Von daher: Ein vollständiges, faires und wohlwollendes Arbeitszeugnis zu verweigern und es von einer Gesamtlösung abhängig zu machen (!), ist vollkommen daneben. (Nicht nur menschlich, auch rechtlich. Zum Glück. Wir sind daran.) Es erhält zudem nebst meiner Reihe ausgezeichneter Zeugnisse und Referenzen eine besondere Note… (Ist fast schon lustig, ehrlich gesagt. Eine Auswahl kommt übrigens bald auf meine Website. Nur so…)

Ebenfalls von daher: Abzumachen, einen Beitrag nicht anzuklicken, erscheint echt kindisch… Das tun ja auch nur Lesende, die sich offenbar betroffen fühlen oder die solche, die sich betroffen fühlen (müssen), kennen. Eigentlich egal…; ein bisschen schade ist einfach, dass ich im letzten Beitrag die zweite Diagnose nannte und ab jetzt davon ausgehe, dass sie bekannt sei. Sie beeinträchtigt mich zwar weniger als die andere, die ich vor bald einem Jahr mit mehr oder weniger klaren Anspielungen durchgab, aber in akuten Schüben ist sie enorm belastend.

Klar sollte damit auch geworden sein, dass ich nicht eine, sondern zwei schwere, organische Erkrankungen habe. Habs bis vor ein paar Tagen einfach nicht geschafft, es so Schwarz auf Weiss niederzuschreiben bzw. einzutippen. (Dafür entschuldige ich mich aber nicht.) Und die dritte ist nicht die Dermatitis, über die ich auch schon berichtet habe, sondern eine andere, von der ich aber seit fünf Jahren fast nichts mehr gespürt habe und die ich, wenn es denn so bleibt, auch nicht nennen werde. Die Dermatitis sowie weitere Hautprobleme habe ich seit etwas mehr als drei Jahren unter Kontrolle; darum gibt es darüber auch nicht mehr viel zu berichten.

Ich hatte dies missverständlich formuliert; so, als ob die Dermatitis eine der drei Diagnosen sei. Das habe ich beim Überarbeiten der Texte gemerkt und selbst gestaunt, wie man beim Schreiben manchmal gar nicht merkt, was man wie ausdrückt und was wie verstanden wird. Jedenfalls waren sämtliche Hautprobleme keine eigenständigen Diagnosen in dem Sinne, sondern Begleitdiagnosen. Ähnlich wie die Augengeschichten, die häufige Konjunktivitis, die Episkleritis und, knapp umgangen (!), die Uveitis.

Dass ich beim Schreiben die Prozesse nicht plane, sondern geschehen lasse, gilt auch in Bezug auf die Menschen, die ich erwähne oder (noch) nicht erwähne. In den vergangenen Wochen habe ich mehrere Menschen getroffen oder besucht, aber wenn ich sie hier mit Namen nenne, werden sie von einigen erkannt. Wenn ich den Namen ändere, alles andere aber belasse, werden sie ebenfalls von einigen erkannt. Das wollen entweder diese Menschen nicht, oder ich will es nicht. Denn ich möchte vielleicht auch mal ein paar Überraschungen zu unseren Beziehungen erzählen…, so ein bisschen Unorthodoxes…, womit ich aber weder mir selbst noch meinen Freunden und Freundinnen schaden möchte. Darum stecke ich da in einem gewissen Dilemma: Ich möchte diese Männer und Frauen unbedingt in meinem Blog drin haben; sie gehören in mein Leben, also auch in meinen Blog. Sie machen mein Leben bunt, intensiv und abwechslungsreich und würden diese Rollen auch im Blog wunderbar spielen.

Zudem kann ich die Freude am Schreiben besser ausleben, wenn ich möglichst alle Facetten meines Lebens und alle Menschen, die mir wichtig sind, beschreiben und sie auch in meinen Texten ihre Rollen spielen lassen kann. Also bin ich am Überlegen, wie ich mein diesbezügliches Problem lösen soll…, oder es löst sich, wenn ich ihm Raum lasse, von selber und mir kommt eine göttliche Eingebung, wie ich vorgehen könnte. Bei Felí kam sie mir ja auch plötzlich. Indem ich seinen zweiten Namen, bei dem ich ihn tatsächlich rufe und den ausser seiner Familie und engsten Freunden niemand kennt, verwende, habe ich einen Weg gefunden. Er lag mir am meisten am Herzen; vielleicht kam darum die Eingebung als erste…

Heute habe an den Unfall, den ich vor genau einem Jahr hatte, gedacht (siehe Beitragsbild). Nur gut, dass ich damals nicht wusste, was er alles nach sich ziehen würde… „Imurek“ ist nur ein Teilchen in dem ganzen Puzzle. Jetzt habe ich die vorläufig letzte Packung angefangen, und in der Praxis hatten sie eine zu viel bestellt. „Was machen wir jetzt damit?“, fragte eine Praxisangestellte ihre Kollegin. „Zurückschicken“, antwortete diese. „Bin wohl die einzige bei den immerhin zwei Ärztinnen und zwei Ärzten, die das Zeugs braucht.“, dachte ich und fragte nach dem Ablaufdatum der Packung: 2021. „Na ja…, gut möglich, dass ich sie bis dahin brauche…“, ergänzte ich, und die Angestellte hätte sie mir fast gegeben. Doch dann entschieden wir uns bewusst fürs Zurückschicken – auch als psychologischen Akt.

Heute war ich auch in zwei Möbel- und Innendekorationsgeschäften, weil ich – bei dem Pflotsch – auf der Suche nach einer „Schmutzschleuse“ bin… Fündig wurde ich leider nicht; dafür kaufte ich spontan allerhand anderes: zum Beispiel acht marokkanische Teegläser in vier Farben, blau, gelb, grün und rot, sowie eine Tee-Auswahl als Weihnachtsgeschenk für meinen Mann. Als ich mich erkundigte, wo die Teppiche seien, verwies der Herr mich auf das zweite Stockwerk und den Lift. Warum, weiss ich nicht genau; vielleicht war mein Gang etwas seltsam…

Das ist er wohl ab und zu; je nachdem, ob nur das rechte Fussgelenk weh tut oder beide weh tun, je nachdem, ob ich Schmerzmittel genommen habe (ganz selten bzw. gezielt für bestimmte Zwecke/Anlässe), ob ich die Bandagen, die im Winter zum Glück nicht sichtbar sind, trage, ob ich den Spray, der ähnlich, aber schwächer wirkt, benutze, ob…, ob…, ob… Jedenfalls zeigte er mir den Lift, und ich entschied mich für die Treppe. Alleine im Lift habe ich nämlich Angst. Als ich nach erfolgloser Suche im zweiten Stockwerk zur Treppe zurückkehrte, bemerkte ich, dass der Lift auf einer Seite aus Glas ist und ich ihn demzufolge hätte benützen können. Trotzdem ging ich die Treppe hinunter.

Herrn K. werde ich aus der Schulthess-Klinik eine Postkarte schreiben und ihm mitteilen, dass soeben das erste meiner „klinisch unauffälligen“ (Zitat aus seinem Bericht) Gelenke operiert worden sei. Und dass ich ihn genossen hätte. Den Trip.

 

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