Ausflug ins Bistro

Spitalflash 6: Nachdem ich gestern Abend/Nacht gar nicht mehr ohne „fremde“ Hilfe gehen konnte (siehe „Spitalflash 5“), habe ich es heute Nachmittag bis ins Bistro der Schulthess Klinik geschafft. Dieses liegt im Erdgeschoss, ein Restaurant hat es im ersten Stockwerk und mein Zimmer liegt im dritten Stockwerk.

Da ich Angst in Aufzügen habe, wenn ich alleine bin, habe ich also die Treppen genommen. Das ist ganz gut so, da die Physiotherapeutin mir gezeigt hat, wie ich Treppen hinauf- und hinabgehen soll und da ich das für zu Hause (siehe „Spitalflash 3“) sowieso üben muss.

Jetzt sitze ich also immer noch im Bistro, lese in meinem Buch, das ich zum Glück wieder halten kann, habe eine Ausgabe des „Beobachters“ fertig gelesen, unterhalte mich zwischendurch mit Besuchenden hier oder „chatte“ ein bisschen mit Freunden und Freundinnen, die weiter weg sind.

Gestern Abend musste ich ein paar „Chats“ radikal abbrechen; manchen konnte ich gerade noch mitteilen, dass ich die Opioid-Spritze nicht vertragen würde, anderen konnte ich gar nichts mehr mitteilen. Die allumfassende und nicht enden wollende Übelkeit kam in Wellen durch den Körper, und zweimal konnte ich die vielleicht drei „guten“ Minuten dazwischen nutzen, um kurz anzufügen, dass ich die Unterhaltung abbrechen müsse.

Jetzt geht es mir besser, und ich hoffe einfach, dass ich den Weg zurück zum Zimmer ebenfalls alleine schaffe. Im Bistro besetze ich zwei der drei Plätze auf einem der roten Sofas, da ich den rechten Fuss (und wegen des Knies eigentlich das ganze rechte Bein) so oft wie möglich hochlagern muss.

Das hat mir der Physiotherapeut noch einmal eingeschärft; er fand, die Ärzte und Ärztinnen würden dies zu wenig hervorheben, womit er höchstwahrscheinlich recht hat. Er war überhaupt sehr „cool“; hat sofort gemerkt, dass ich von der Nacht ausgezehrt war, hat mir zugehört, hat mich verstanden und mich nicht nur mit seinem A-Wort (siehe letzter Beitrag) zum Lachen gebracht, sondern mich auch sonst ein bisschen unterhalten.

Er ist noch sehr jung. Der Jüngste aber ist ein Auszubildender, der sich ebenfalls fürsorglich um die ihm anvertrauten Patienten und Patientinnen kümmert und auf Fragen ausführlich eingeht. Ich wünsche mir für ihn, dass er in seiner Laufbahn viel Freude haben und Dankbarkeit spüren wird.

Auch gelacht habe ich mit meinem Anästhesisten, da er mir die Propofol-Enttäuschung (siehe „Spitalflash 1“) nehmen und mir „sein“ gewöhnliches Dormicum schmackhaft machen wollte. Hab zwar so eine Art Herumsägen wahrgenommen, aber sonst kaum etwas. Die Operation an sich verlief ja gut und schnell, und als ich den Anästhesisten fragte, ob mein Eindruck richtig sei, bejahte er dies auf jeden Fall, meinte aber, es könne auch anders sein: „Wenn da so dicke Matronen kommen, dann gehts dreimal so lange oder noch länger…“ Das war nicht „böse“ gemeint von ihm, einfach eine Aufheiterung für mich – nicht mehr, nicht weniger.

Der Arzt, der sich nach der Aussprache meines Namens erkundigte und der die Infusion in die Hand steckte, fragte mich, weil ich mich abwand und er „nur“ hatte gerufen werden müssen, weil meine Venen sich entzogen: „Was ist denn los mit Ihnen, was haben Sie denn?“ Ebenfalls nicht „böse“ oder vorwurfsvoll, und ich hätte ihm meine ganze Krankheitsgeschichte erzählen können; dann hätte er bestimmt verstanden. Aber dazu war ich am Montagmorgen vor der OP zu aufgeregt und irgendwie auch zu müde.

Na ja, es ist ihm dann jedenfalls gelungen, diese Infusion in die Hand zu stecken; die andere kam später in den Arm. Was ich mir ja längst gewohnt bin, was mir aber fast jedes Mal noch lange weh tut. So auch jetzt. Darum ist das Gehen mit den Krücken noch anspruchsvoller…, weil der linke Arm dabei schmerzt, wenn ich Gewicht abstütze. Auch noch einmal ein bisschen kompliziert…

So, jetzt muss ich ins Zimmer zurück, da ich wegen der ausgeprägten Pethidin-Unverträglichkeit bzw. deren Folgen eine Nacht länger bleiben muss. Der Ausflug ins Bistro war eine willkommene Abwechslung.

 

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