Das eine Carré, das eine Jahr…

(Nach-)Spitalflash 8: Gestern Abend habe ich wieder einmal geduscht. Das war nicht ganz einfach. Der rechte Fuss darf für mindestens eine Woche nicht nass werden und muss deswegen mit einer Plastiktüte abgedeckt werden. Weil nicht nur diese Tüte glatt, sondern auch unsere Dusche, da sie selten benutzt wird – wir haben zwei Badezimmer… 😉 -, glitschig ist und da ich geschwächt und noch nicht standhaft bin, was sowohl mit der OP an sich als auch mit den durchgekotzten sechs Stunden zu tun hat, bin ich beinahe ausgerutscht.

Das wäre verheerend gewesen, und ich würde diesen Text jetzt nicht von zu Hause aus schreiben… Ich schrie kurz auf; Taieb, der für eine halbe Stunde zu Hause war, um seine Aufgaben für den Tastaturkurs am Computer zu lösen, kam vom ersten OG ins zweite OG gerannt und erkundigte sich, was los sei.

In der Folge brachte er mir Badetücher und legte meine Kleider näher zur Dusche. Hier muss ich vielleicht anmerken, dass ich zu Hause nicht dusche, sondern fast jeden Abend ein Bad nehme. Dies ist für mich eine Art Ritual; ich geniesse die Farben und die Düfte der Bademittel und höre „Option Musique“, einen Sender aus der französischsprachigen Schweiz mit vielen französischen Chansons sowie Liedern in Englisch, Italienisch oder Spanisch, die meinem Geschmack entsprechen.

A propos Spanisch: Felipe wird tatsächlich der Erste sein, der mich besuchen kommt, weil ich „nur“ bei ihm zugesagt habe. Das spricht aber überhaupt nicht gegen alle anderen – im Gegenteil. Ich wollte und brauchte meine Ruhe, und die ungewöhnlich heftige Reaktion auf die Opioid-Spritze, mit der niemand gerechnet hatte, gab und gibt mir recht. Wobei es hier nicht um Recht und Unrecht geht – überhaupt nicht; es geht „nur“ um die Anerkennung eines komplexen Krankheitsbildes, wo halt fast immer etwas ist…

Um Recht und Unrecht geht es jedoch in der ebenso kotzigen Angelegenheit mit meinem ehemaligen Arbeitgeber; darüber werde ich, umso länger die Zermürbetaktik andauert, desto detaillierter berichten.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei den drei „fremden“ Personen, die ich gerne bald kennen lernen möchte, für die grosse Anerkennung meinen Texten sowie meiner authentischen und wahrhaftigen Schilderung von – zum Beispiel – Emotionen, meinem Kampfgeist und meinem Humor gegenüber. Danke euch!

Diesen Weg werde ich weitergehen; die Woche in Bergün hat mir die wohl grösstmögliche Klarheit darüber gegeben. Trotzdem tut solches Feedback gut und motiviert. Ich kann mich nur wiederholen: Wer mich mundtot machen will, muss nicht eine dumme und lachhafte Strafanzeige machen, sondern mich erschiessen. Anders geht es nicht. Kapiert?!

„Ja genau, euch meine ich. Und ihr solltet am besten wissen, dass ich noch einiges auszupacken habe und euch verdammt lange eine Chance für eine „friedliche“ Lösung gegeben habe. Aber ihr wollt wohl vor Gericht über ALLES reden. Das würde ICH an EURER Stelle jedenfalls nicht wollen… Aber bitte; ich hoffe, eure Ferien waren schön. Meine waren sehr schön, und mein anschliessender Spitalaufenthalt hat mich NOCH stärker gemacht. Sehen wir uns also vor Gericht? Falls ich bis dann wieder gehen kann… Momentan kann ich nämlich nicht einmal zu Hause ohne Krücken gehen…“

Zurück zu Felipe: Der kommt mich also heute noch besuchen; wir haben auf 16 Uhr abgemacht. Ich habe ihm gesagt, dass ich nur auf dem Bett oder dem Sofa liegen könne und nach zwei Stunden erschöpft sei. Und ich werde ihm sagen, dass eines der 24 Schokolade-Carrés im Spital überfahren und zerquetscht worden sei und dass dies für mich symbolisch für DAS Jahr unserer 24-jährigen Freundschaft stehe, in dem er etwas für mich/wegen mir getan hat, was mich zwar zutiefst berührte, mir aber auch unangenehm war und – wenn ich daran denke – immer noch ist. Wie schon einmal erwähnt: Wenn ich bereit bin, berichte ich darüber.

Und zurück zum Duschen: Ich werde heute Abend besonders vorsichtig sein. Mein Mann ist an einem „Stage“ (Weiterbildung) in der Westschweiz – ich hatte ihm gesagt, er solle unbedingt daran teilnehmen -, die Kinder sind bei Pia. Sie hat auch all das viele Verbandszeug und die Schmerzmittel für mich in der Apotheke geholt, sie hat mit den Kindern gekocht, gegessen, gespielt und gelesen, sie hat mir zum Frühstück Kaiserschmarren mit den auf dem Beitragsbild zu sehenden Zutaten gebracht.

Ausschlafen konnte ich, aber ganz erholt vom Pethidin habe ich mich noch nicht. Das sind genau die „Dinge“, die eigentlich bei von chronischen Krankheiten betroffenen Menschen nicht drin liegen. Der Körper hat schlicht keine Kapazität für solche Zwischenfälle. „Sie waren kreideweiss.“, sagte mir die Pflegende, nachdem ich das Gröbste überstanden hatte.

Jetzt bin ich froh um Paracetamol und Novalgin, die beiden einzigen Wirkstoffe gegen Schmerzen, die ich überhaupt einnehmen darf und die ich trotz allem äusserst selten einnehme…

Schönen Sonntagnachmittag!

 

 

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