Nur das

Die intensivsten und bereicherndsten Rückmeldungen erhalte ich von Menschen, die entweder selbst von chronischen Erkrankungen betroffen sind oder im nahen Umfeld eine(n) Betroffene(n) haben und die – wie ich – einen UN-verklemmten Umgang damit pflegen. Dies ist mir in den vergangenen Tagen, obschon es absolut nachvollziehbar ist, wieder sehr aufgefallen.

Der Zeitpunkt, den Blog nicht nur über FB, wo viele User sich eine Parallelwelt aufbauen und sich durch alles, was nicht in ihre perfekte Scheinwelt hineinpasst, gestört fühlen bzw. damit überfordert sind, zu verbreiten, ist überreif. Das haben mir die wunderbar anerkennenden Worte dreier selbst betroffener Personen, die ich (noch) nicht einmal kenne, deutlich aufgezeigt.

Heute Morgen hatte ich – überdies – Kontakt zu Pia, Sandra und Elio. Sie alle wissen, was es bedeutet, wirklich krank zu sein; sie alle reden mit mir in einer Art, die dies unmissverständlich zum Ausdruck bringt, mich unmissverständlich spüren lässt, dass sie ähnliche Realitäten kennen, sich einfühlen können, sich einfühlen wollen und sich hinter keiner Fassade verstecken müssen.

Wie auch immer: Ich bin froh, dass meine eigene Website auf gutem Weg ist und eigentlich „nur“ noch verschiedene Fotos von mir fehlen. Diese werde ich jedoch professionell in einem Fotostudio machen lassen, um die Ideen „meines“ Webdesigners umsetzen zu können. Auch mein zweiter Blog, den ich wahrscheinlich „sabessblogPLUS“ nennen und in dem ich die Geschichten anderer Menschen mit besonderen Herausforderungen im Leben erzählen werde, ist demnächst startbereit.

Und mit „besonders“ meine ich „besonders“. Also keine „wie soll ich meinen 20%-Job mit unserem Dreipersonenhaushalt vereinen“ oder „wohin sollen wir nur nächstes Mal in den Urlaub fahren“ oder „wie können wir als Familie eine Magen-Darm-Grippe überstehen“-Geschichten. NEIN DANKE. Dafür sind andere Blogs und andere Plattformen zuständig, von denen ich mich dezidiert abgrenzen möchte. Aus Gründen, die ich hier nicht näher erläutere, da sie hinreichend bekannt sein dürften…

Mit dem Vlog fange ich am 5. März an; die Bronchitis und die Gastritis hatten den ursprünglichen Start über den Haufen geworfen, aber jetzt finde ich es ganz gut, dass es in zwei Wochen, wenn ich damit anfange, genau eineinhalb Jahre seit Beginn des Blogs sein werden.

Als Erstes werde ich den Brief an Herrn K. vorlesen (und ein wenig kommentieren), aufgeteilt in drei bis vier Teile. Danach wird ganz Verschiedenes kommen; ich werde meiner Kreativität freien Lauf lassen und bin selbst gespannt, wohin mich dieser Weg führen wird.

Gestern Abend bin ich, wie vorausgesagt, nach zwei Stunden tatsächlich eingeschlafen – bin mir Schmerzmittel, so erstaunlich es sein mag, nicht gewohnt. Felí kochte „Spaghetti al Pesto“ und fand ein paar Cherrytomaten und ein Stück Gurke sowie Reibkäse im Kühlschrank. Er ist ein guter Koch, aber unsere Vorräte sind etwas geschrumpft… 🙂

Als ich um 21 Uhr aufwachte, assen wir das zusammen. Rioja gabs dieses Mal nicht dazu; solange ich Schmerzmittel nehmen muss, verzichte ich auf Alkohol. Wir stiessen mit Apfelpunsch an. Sehr aufregend, finde ich auch. Um 23 Uhr fuhr er zurück, und ich konnte erst einschlafen, als ich wusste, dass er zu Hause angekommen war. Da er nicht gerade in der Nähe wohnt, schlief ich erst so gegen 1 Uhr oder später ein; ich kann mich gar nicht richtig erinnern, da die Schmerzmittel mich benebeln. Das wäre wohl, wenn ich sie häufig nähme, anders.

Mir tut ja nicht nur der rechte Fuss weh, sondern auch das rechte Knie sowie der linke Arm. Die Infusionen haben blaue Flecken auf der Hand und in der Ellbogenbeuge hinterlassen und die Stellen sind sehr empfindlich und schmerzhaft. Wie meistens halt…; nur, dass es an der Hand selten vorkommt. Das Gehen mit den Krücken ist dadurch zusätzlich erschwert…, und ich bin schon mal froh, dass ich heute – im Gegensatz zu gestern – wenigstens im Haus ohne Krücken gehen kann. Sonst wird es nämlich ein bisschen viel…

Im Vlog werde ich mich zudem bald einmal persönlich und besonders herzlich bei meinem ehemaligen Arbeitgeber bedanken: Dafür, dass ich den Anteil am 13. Monatslohn für das vergangene Jahr trotz mehrfacher Aufforderungen noch immer nicht erhalten habe. (Der Verzugszins läuft seit dem 15. Dezember…) Dafür, dass es unheimlich befriedigend sein muss, einer Person, die gesundheitlich so richtig viel zu tragen hatte (und hat), noch nachzutreten und so quasi Rache am langen bezahlten Urlaub (IHR HABT KEINE AHNUNG, und ihr zeigt das auf so erschreckend kleinliche und peinliche Weise…!) zu üben, indem im Arbeitszeugnis – beispielsweise – gewisse Aufgaben/Funktionen einfach weggelassen und Fähigkeiten gemindert werden.

Kommt alles im Vlog… Weil ich dort auch so schön werde zeigen können, was in meinen anderen Zeugnissen und Referenzen steht. „Fundierte Fachkenntnisse“ ist eine Standardformulierung in der Schweiz; wenn jemand aber das Lizentiat mit viermal der Note „6“ abgeschlossen und im „Proficiency“ ein „A“ hat, sind die Fachkenntnisse halt ein bisschen mehr als „fundiert“…

“Oder habt ihr Probleme, ein passendes Adjektiv zu finden?! Wir haben euch ja auf die Sprünge helfen wollen und ein paar Vorschläge gemacht…!? Ha, ha…; wenn ich daran denke, was Koryphäen an der Uni über meine Fähigkeiten sagten, dann wird euer „bünzliges“ Vorgehen noch viel lachhafter… Und wisst ihr, was? Diese Koryphäen haben mir das damals schriftlich gemacht… Darum: Kapiert doch bitte noch rechtzeitig, dass letztlich alles auf euch zurückfällt. Ich freue mich nämlich extrem auf meinen Vlog, und: Umso brisanter, desto besser! (Das ist meine Auffassung von Kunst, falls wir uns darüber unterhalten wollen… „Bla, bla, bla“ gibts ja mehr als genug; also geb ich da kräftig Gegensteuer.)

Meine körperliche Kraft ist momentan zwar nirgends, aber mental und psychisch bin ich stärker denn je. Darum: Ich freue mich. Die Frist läuft noch bis zum 28. Februar. Ihr werdet es morgen erfahren. (Nicht von mir…) Sonst gehen wir vors Gericht. Das macht bestimmt Spass; ich war nämlich noch nie dort. Um neue Erfahrungen bin ich in meinem ach so langweiligen Leben immer froh. Und da es wohl länger dauern wird, bis ich wieder einigermassen gehen kann, komme ich dann halt mit Krücken… (weiss gar nicht, warum ich das hier erwähne…; hmm…, vielleicht wisst ihr es ja (?!)…“)

Danke, dass ihr euch so vollkommen daneben benommen habt und benehmt; es hat mich etwas ganz Entscheidendes gelehrt:

Ob Menschlichkeit wahrhaftig und nachhaltig ist, zeigt sich erst in Ausnahmesituationen. Was vorher war, zählt nicht mehr. Was zählt, ist das Verhalten, wenn es jemandem so richtig schlecht geht. Nur das.

 

 

 

 

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