Warten…

 

„Wenigstens sind Sie schlank.“, sagte die Frau, mit der ich mich im Bus unterhalten hatte und die mir Platz zum Aussteigen machen wollte, als ich mich erhob. Zuvor hatte sie mir geholfen, den rechten Stiefel wieder anzuziehen. Vielleicht als Dank dafür, dass ich ihr zugehört, ihren Ärger über Hamstereinkäufe vor Ostern verstanden, mir ein Foto ihrer geliebten Hündin mit dem wohlklingenden französischen Namen angesehen und meinem Entzücken über dieselbe – obschon kein Hunde-Fan – Ausdruck verliehen hatte. Dann wünschte ich ihr frohe Ostereinkäufe (😉) und stieg aus.

Kurz darauf sass ich im Labor der Arztpraxis; jetzt gibt es kein Zurück mehr. Am 6. April erfahre ich die Resultate zu verschiedenen Blut- und Nährstoffwerten sowie zu den drei im vergangenen Herbst festgestellten Veränderungen im Blut, von denen vor allem eine regelmässig und engmaschig kontrolliert werden muss.

Sie kann mit meinen Erkrankungen oder mit dem Medikament Imurek bzw. dem Wirkstoff Azathioprin zu tun haben oder auf eine Form von Leukämie hindeuten: „Morbus Waldenström“ oder „Multiples Myelom“. So trocken ich das jetzt hierhinschreibe, so beängstigend ist es, darüber – in seriösen Quellen – zu lesen, geschweige denn sich vorzustellen, diese Diagnosen zu bekommen. Vor allem, wenn bereits andere Diagnosen, die schwere Erkrankungen bezeichnen, das Leben immer und überall mitbestimmen. Auch dann, wenn niemand etwas davon bemerkt.

Mit der erneuten Überprüfung mussten wir warten, weil das Azathioprin zuerst vollständig aus meinem Körper raus sein musste, was jetzt, zweieinhalb Monate nach Therapie-Ende, der Fall sein dürfte.

Drei Röhrchen Blut füllte die Angestellte ab, jedes hat eine andere Deckelfarbe. Der Einstich in den linken Arm tut wie fast jedes Mal weh, und weil ich zu erklärbaren und bisweilen auch unerklärbaren Blutungen neige, reicht ein kleines Pflaster – wie bei den meisten Leuten – eben nicht aus. Dies kann eine Woche dauern, dies kann zwei Wochen oder – selten – noch länger dauern; ich weiss es nie im Voraus, kann es nie abschätzen.

Nach der Operation am 14. Februar zum Beispiel, an einem Mittwochmorgen, blutete es unmittelbar danach, was normal ist, und noch einmal am darauffolgenden Samstag, was meinen Austritt aus dem Spital – nach der überaus heftigen Reaktion auf die Opioid-Spritze (Pethidin) – ein zweites Mal aufs Spiel setzte.

Danach verlief von daher sowie von der Wundheilung her alles tip top, die Narben sehen sehr „schön“ aus, wie der Chirurg, der mich operiert hatte, sowie die Oberärztin am Dienstagmorgen einstimmig meinten. Damit sie noch „schöner“ werden, habe ich eine Salbe verschrieben bekommen, und die Beweglichkeit des Gelenks sowie der Zehen wird mit der Physiotherapie zurückkommen. Dass die Schwellungen und die bläuliche Verfärbung mehrere Monate andauern können, wusste ich; der Verdacht, dass die von der Physiotherapeutin festgestellte Erwärmung auf eine Entzündung hindeutet, hat sich zum Glück nicht erhärtet.

Geblutet hat im vergangenen Oktober auch die Wunde unten am Fuss, als ich in Barcelona in eine Scherbe trat, nachdem ich wegen der Gelenkschmerzen die Schuhe ausgezogen hatte, Felí und ich die nächstgelegene Apotheke aufsuchten und die Stadterkundung anschliessend auf sein Geheiss hin mit dem doppelstöckigen Touristenbus fortsetzten. (Ich habe darüber berichtet.)

Sie hat nicht nur geblutet, sie hat, obschon sie klein war, übermässig geblutet, und ich war froh, dass die Apothekerin die Sache mit der Autoimmunität, dem unterdrückten Immunsystem und der dadurch erhöhten Anfälligkeit für Infektionen sofort erfasste und die Wunde besonders sorgfältig und besonders gründlich versorgte.

Gleichzeitig scherzte sie mit Felí auf Katalanisch, weil er mich durch die verwinkelten, dunklen Gassen der „Ciutat Vella“ getragen und sich die Kleider mit meinem Blut verschmiert hatte. Mir war das eher peinlich; darum habe ich noch nie darüber berichtet. Aber ich wusste, dass ich eines Tages darüber berichten würde; so, wie ich weiss, dass ich eines Tages über dieses eine Jahr, in dem er meiner Ansicht und meines Empfindens nach zu viel für mich bzw. wegen mir tat, berichten werde. Viel Katalanisch verstehe ich nicht, aber ich verstand immerhin, dass sie ihm bedeutete, er habe seinen „Job“ vorbildlich gemacht und er habe ja wenigstens nicht so schwer zu tragen gehabt.

Wie die Frau im Bus meinte die Apothekerin das nett und verstand es als Kompliment. Dass solche Aussagen in mir auch jedes Mal eine ganze Lawine an Gedanken und Gefühlen auslösen, können diese Menschen nicht ahnen, und darum bin ich ihnen nie und nimmer „böse“, wenn mich dadurch Erinnerungen einholen:

An die zweimal 40 Kilogramm während der Zeit an meinem ehemaligen Arbeitsplatz zum Beispiel, an die zweimal im Spital verbrachten Ferien, um möglichst schnell zehn bis 15 Kilogramm zuzunehmen und am ersten Schultag wieder im Klassenzimmer zu stehen. An das Ausschlagen von Arbeitsunfähigkeitszeugnissen…, an das Überdecken der noch immer fehlenden Kilos mit etwas weiterer Kleidung nach Spitalaustritt, mit anderen Worten: bei Schulbeginn.

An die Infusionen und die Spritzen, an die Magensonden. An das Schweigen, das Weitermachen, das Überspielen. An die Angst, an das Entsetzen. An die Knochen, die ich nicht nur überall spürte, sondern auch überall sah. An die Hüft- und Beckenknochen, die ich quasi in die Hände nehmen konnte, an die Knochen im Gesicht, die mir eigentlich längst, wenn ich in den Spiegel schaute, den Tod zurückspiegelten, an das Nichtwahrhabenwollen, an das Unfähigsein, an mich zu denken und für mich zu sorgen, an die Besessenheit, an der Arbeit nicht zu fehlen, an die Besessenheit, ja nichts falsch und alles richtig zu machen, an den Schauer, als ein Arzt mir schonungslos eröffnete, dass ich gar nichts richtig gemacht hätte und es an ein Wunder grenze, dass ich überhaupt noch am Leben sei.

An die Blässe, die eingefallene Haut, die angeschwollenen Füsse und Unterschenkel… Letzteres passiert, wenn der Körper anfängt, die drastisch fehlende Energie aus dem Eiweiss zu nehmen. Den genauen physiologischen Vorgang dabei müsste ich noch einmal nachlesen, aber das mag ich jetzt nicht. Ich erinnere mich aber: Das ist der absolute Notzustand. Der Körper fängt erst an, Energie aus Eiweissen zu beziehen, wenn er gar keine andere Quelle mehr hat; das ist so quasi der letzte Nothahn, und der Vorgang wird eben schnell lebensgefährlich. Wenn ich mal wieder die Kraft habe, nachzulesen, was genau dabei abgeht, greife ich das Thema vielleicht noch einmal auf.

Das war zweimal der absolute Ausnahmezustand; so schlimm war es „nur“ zweimal. So weit würde ich es nie mehr kommen lassen; da stehe ich heute an einem ganz anderen Ort. Das, was Ende 2015 und Anfang 2016 passiert ist, hat mich für immer immun gemacht gegen solchen Raubbau am eigenen Körper, solchen Raubbau auch an der eigenen Seele, gegen solch fatales Pflichtbewusstsein, solch fatale Zuverlässigkeit.

Das Schöne ist, dass mein gesamtes Umfeld mich nach wie vor als zuverlässige und pflichtbewusste Person wahrnimmt und schätzt – alle, ausser mein ehemaliger Arbeitgeber, für den ich das und noch ganz viel mehr als das schliesslich getan hatte. Das Schöne ist zudem, dass ich darüberstehe, weil ich meine Stärken wie meine Schwächen kenne und weiss, dass Verlässlichkeit zu meinen Stärken gehört. Und das Schönste (Achtung: Ironie) ist, dass wir darüber – „und noch über viel mehr, weil ihr es so wollt…“ – vor Gericht streiten werden. (Keine Ironie, sondern bitterer Ernst.)

„Letzthin fiel mein Blick auf ein paar Sätze in einem eurer Briefe, weil ich eine Kopie weiterleiten musste. (Denjenigen, in dem ihr aus „Ende August“ kuzerhand „Ende März“ machtet, weil Fristen und Abläufe für euch ja eh nicht gelten und ihr euch um sie foutiert wie Alleinherrscher in totalitär geführten Staaten sich um Gesetze foutieren.)

Wenn ich sie nur sehe, diese furchtbaren Briefe, zieht sich in mir alles zusammen; ich kann sie kaum anschauen, geschweige denn lesen. Am schlimmsten sind die Anfänge mit den falschen Genesungswünschen… Warum eigentlich Genesungswünsche, wenn ihr doch noch immer nicht wisst, was ich denn hätte…?! (Wovon sollte ich denn genesen, ha, ha…!?) Warum Genesungswünsche, wenn ihr vom ERSTEN Tag an nur ein Ziel verfolgtet: mich loszuwerden!? Warum Genesungswünsche, wenn sämtliche Handlungen das Gegenteil zeigten und bisweilen von einer erschreckenden Hinterhältigkeit geprägt waren?!

Warum, ja warum? Damit ihr „pro forma“ gut dasteht, oder? Darum und einzig und allein darum ging es doch. Damit an der Oberfläche alles korrekt aussieht, auch wenn unter der Oberfläche die Frucht so richtig verdorben  ist.

Ich brauchte sie nicht, ich brauchte sie allesamt nicht, eure blöden Wünsche und leeren Sprüche; ich hatte – und habe – genügend Menschen in meinem privaten Umfeld, die mir EHRLICH und AUFRICHTIG all das, was ich brauch(t)e, wünschen und die mir helfen. Jede und jeder auf seine/ihre ganz eigene Art; so, wie er/sie es eben kann. Und das ist alles, alles gut so.

Aber an euren Briefen war gar nichts gut, und an euren Blumen war gar nichts schön. Seht ihr die Blumen auf dem Beitragsbild? Die habe ich von Felí bekommen, und jetzt, pünktlich zu Ostern, haben sie zu blühen begonnen. Sie sind schön, wunderschön. Die Schokoladeeier sind ebenfalls von ihm; die hat er mir vorgestern, am Karfreitag, mitgebracht, nachdem der Plan, dass ich (mit dem Zug – ich darf/kann noch nicht wieder Auto fahren und hätte so oder so den Zug genommen) zu ihm fahren würde, leider geplatzt war.

Weil ich am Dienstagnachmittag wieder mal ein „Blackout“ hatte – völlig unerwartet bei Elio im Studio. Den wollte ich noch warnen, da ich die Anzeichen, wie schon ein paarmal beschrieben, jeweils vorher wahrnehme, doch er war hinter dem Klavier und hinter Stühlen mit ein paar Kabeln beschäftigt und merkte nicht einmal, was passierte. Nach ein paar Sekunden Bewusstlosigkeit stand ich langsam auf, trank einen halben Liter Fanta und ass den Rest meines „Falafels“, das ich bei der freundlichen, herzlichen Türkin gleich nebenan geholt hatte.

Einmal, als ich die kurze Strecke noch nicht ohne Krücken gehen konnte, trug sie mir sogar Pizza und Getränke ins Studio und machte Elio hingebungsvoll gestikulierend darauf aufmerksam, dass er hätte mitkommen und mir helfen sollen. Was ich jedoch nicht gewollt hatte, sodass ich mich für den etwas verdutzten Elio einsetzte. Er hat mir nämlich genug geholfen und hat in der Zeit, in der ich damals die Pizza holte, für mich gearbeitet. Wie auch immer: Wir lachten dann zusammen, und seither ruft sie jedes Mal, wenn ich ihren Laden betrete: „Sabrina!“

Die „Blackouts“ haben nichts mit dem Essen oder Trinken zu tun; sie können jederzeit auftreten. Aber wenn ich zurückkomme, muss ich etwas trinken und essen. Manchmal kann ich sie sogar in letzter Sekunde abwenden, wenn ich mich setzen und etwas trinken und essen kann:

So war es zum Beispiel, als wir anfangs Februar eine Vorstandssitzung der Grünen Partei hatten und ich beim Hinfahren merkte, dass es wieder mal so weit war. Im Kopf beginnt es ganz fein zu drehen, ich fange an zu schwitzen und zu zittern, ich spüre, dass ich den Kontakt zur Umwelt verliere… Wenn Röbi keinen selbsthergestellten Kirschensaft sowie Nüsse und getrocknete Beeren aufgetischt hätte, von denen ich dann ziemlich viele ass, wäre ich damals auch abgetaucht.

Genau…, und weil ich eben am Dienstagnachmittag wieder so einen kurzen Zusammenbruch hatte, riet mir meine Ärztin am Donnerstagmorgen (siehe Textanfang), einen oder zwei Tage zu Hause zu bleiben, was ich denn auch befolgte und was dazu führte, dass nicht ich Felí besuchte, sondern er zu uns fuhr und mir die auf dem Bild zu sehenden Schokoladeeier schenkte. Das Nestchen hat Naila in der Schule gebastelt; ich finde es sooo süss… 😊

Das Krasse an der – oben im Übrigen nur angedeuteten – Geschichte ist, dass die Gewichtsfrage an sich schon weit mehr als ausreichend Leistungseinbussen erklärt. Das Gleiche lässt sich für den kortisonbedingten Schlafmangel, der viel mehr war als ein Mangel und in seinem Ausmass und seinen Auswirkungen nicht mal mit dem Ausdruck Entzug annähernd eingefangen werden kann, sagen. Das Gleiche lässt sich für die Mangelerscheinungen an wichtigen Nährstoffen sagen. Für die Entzündungen innerer Organe. Für die dadurch entstandenen Funktionseinschränkungen eben dieser Organe. Für die Blutungen, die Krämpfe, die Schmerzen. Für die Ohnmachten. Ja, das ist das Krasse an all den Geschichten: dass sie einzeln und völlig isoliert mehr als ausreichen, um Leistungseinbussen oder Verhaltensveränderungen zu erklären. Alle zusammen genommen durchzustehen und „würdig“ zu überleben, grenzt tatsächlich an ein Wunder.

Worauf ich niemals stolz wäre, sondern einfach nur dankbar für all die Ressourcen und die nie versiegende Kraft, die mir gegeben wurden. Die sich in ganz vielem zeigen – nicht nur physisch, sondern auch psychisch und mental. Und die nicht anzuerkennen eine menschliche Dummheit sondergleichen ist, eine Verletzung nicht zu beschreibenden Ausmasses auch. Weil ihr – ja, „ihr“ – mir meine zugegebenermassen aussergewöhnlichen Ressourcen ins Negative verdreht(et) und weil dies eine unfassbare und unbeschreibbare Anmassung darstellt(e).

Ach ja, und mir ist noch etwas eingefallen, was ich noch nie erwähnt habe: Kaum hatte ich mich entschieden, die Sprachaufenthalte in Oxford nicht mehr zu begleiten, weil ich (ausser im Oktober 2011) jedes Mal einen Krankheitsschub hatte und in Oxford übrigens mehrere Ärzte und Ärztinnen kenne, meldete ich mich von mir aus bei euch, um eine neue Aufgabe zu übernehmen.

A propos Ärzte und Ärztinnen in Oxford: Da staunt ihr gleich noch einmal, nicht? Genau! Gleichzeitig wie wir irgendwelche besoffene Schüler und Schülerinnen hätten auf den Notfall begleiten und – klar (!) – bemitleiden und verhätscheln sollen, war ich selbst auf dem Notfall: nicht, weil ich besoffen war; nicht, weil ich mich an Drogen vergriffen hatte; nicht, weil ich englische Sauftouren sauglatt fand.

NEIN…, sondern weil im Oktober 2012 diejenige meiner Erkrankungen, von der ich seit der unmittelbar auf den Sprachaufenthalt folgenden Therapie (Kortison! Wer hätte das gedacht?) nichts mehr „gehört“ habe und von der ich hoffe, dass sie für immer „schläft“, so heftig ausbrach, dass ich nicht mehr wusste, wo ich mich verstecken sollte, um mich so gut wie überall am Körper blutig kratzen zu können.

NEIN…, sondern weil im Oktober 2013 ein heftiger Morbus Crohn – Schub wütete, so gut wie der ganze Verdauungstrakt – er fängt übrigens beim Mund an… – entzündet war und ein paar Monate später endlich die richtige Diagnose gestellt wurde.

NEIN…, sondern weil ich im Oktober 2014 von den Kortisonbehandlungen völlig kaputt war und – zudem (!) – meine Nase seit genau einem Jahr (!) zu war, vollkommen zu, und ich keine Chance auf einen einzigen freien Atemzug hatte, weder am Tag noch in der Nacht. Was dann Ende November desselben Jahres zur Operation der Nasenscheidewand führte, die wiederum und zusätzlich (!) eine chronische Sinusitis ans Licht brachte, die glücklicherweise noch zu keinen bösartigen Veränderungen der betroffenen Zellen geführt hatte. (Wie ich im Nachhinein erfuhr. Uff!)

Das sind so die gesundheitsbezogenen Kürzestfassungen während drei der vier Sprachaufenthalte; ich könnte über jeden einzelnen ein Dutzend Texte schreiben. Und kaum hatte ich mich also entschieden, nicht mehr mit nach Oxford zu reisen, meldete ich mich von mir aus bei euch, um eine neue Aufgabe zu übernehmen.

Es gab ja sowieso andere, die diese Aufgabe (wie ungezählte andere Aufgaben!) um alles in der Welt an sich reissen wollten und quasi darauf warteten, wenn nicht daraufhin arbeiteten, dass ich den Job abgeben würde. Das war übrigens nicht einmal so sehr mein eigener Eindruck als vielmehr der Eindruck ein paar aussenstehender und beobachtender Personen.

Mir war es relativ „egal“; ich war so mitten in den Autoimmunstürmen, dass mir Machenschaften und die kindisch-männliche oder männlich-kindische Gier nach möglichst vielen Positionen nicht am Arsch, sondern an den Nieren vorbeigingen. Um diese hatten wir damals nämlich am meisten Angst, und dass die Werte sich beruhigten und die „grosse Operation“ sich danach eher auf andere Organe als auf die Nieren bezog, hatten wir nicht erwarten können.

Eure Antwort war, ich hätte mit den Sprachaufenthalten mehr als genug gemacht und müsse mit einer neuen Aufgabe nicht pressieren. Das stimmte sicherlich; trotzdem schätzte ich die Anerkennung.

Dann kippte bei euch ein Schalter – was längst nicht nur meine Wahrnehmung war; ich litt einfach am meisten darunter, weil mein Wolf dummerweise erwacht war, Herrn Crohn aus seinem bereits begonnenen Winterschlaf weckte und mit ihm zusammen beschloss, mir jetzt mal unmissverständlich klarzumachen, dass es so nicht weitergehen könne.

Das schwächte mich so sehr, dass ich das Schalterkippen nicht gelassen nehmen konnte. Das schwächte mich so sehr, dass ich mich nicht gelassen wehren konnte, als es wie aus heiterem Himmel und zu Beginn meines alles erschütternden Schubs hiess, wir müssten über die Zusatzaufgaben reden, worauf dann zwischen Weihnachten und Neujahr (!) der Zusatzauftrag vom Kaufmännischen Verband, über den ihr mich vorgängig hättet informieren sollen, eintrudelte – so zwischen Bett, Blut, Fieber und Kortison. (Zumindest über das Kortison und dessen Auswirkungen wart ihr informiert; das können wir nachweisen. Aber das ging EUCH am A… vorbei; der Januar 2016 sollte es zeigen…)

Nachdem höchstwahrscheinlich euer Verhalten die den ganzen Winter 2017/2018 dauernden Entzündungen der Magenschleimhaut ausgelöst hatte und ich gläserweise Nussmus ass, weil ich das runterbrachte und weil das so bombenmässig viel Energie und zudem einige wertvolle Nährstoffe liefert, dass ich mein Gewicht trotz allem in einem einigermassen vernünftigen Bereich halten konnte, hoffe ich zur Zeit, wie schon im letzten Beitrag erwähnt, dass euer Verhalten nicht noch zu gröberen Folgen führt, sprich keinen erneuten Krankheitsschub auslöst, und versuche, mich immer wieder an die Sätze einer meiner Ärztinnen zu erinnern: Dass solch irrational rachsüchtiges Verhalten mit mir gar nichts zu tun habe, dafür ganz viel über diejenigen, die sich so benehmen müssen und offenbar nicht anders benehmen können, aussage.

Bei mir gemeldet habt ihr euch selbstverständlich nicht. Dafür seid ihr zu feige. Aber vor Gericht wollt ihr mir begegnen, um euer dreckiges Budget hüten zu können und mir so nachhaltig wie möglich eines auszuwischen.

Ach ja, à propos Budget: Wir unterstützen nicht nur regelmässig Familien auf dem Land in Marokko; ich bezahle überdies aufgrund meiner gesundheitlichen Situation nicht nur das Maximum in die Dritte Säule ein, sondern überweise zusätzlich über 500 Franken monatlich auf ein Sparkonto. Macht etwa 1‘100 Franken monatlich, mit der Unterstützung mindestens 2‘000 Franken monatlich.

Auch darum – weil ihr um meine gesundheitliche Hypothek sehr wohl Bescheid wisst – war euer Hängenlassen damals und ist euer Geiz in der jetzigen Angelegenheit, in der ihr ja lediglich aufgefordert seid, die Konsequenzen eurer zahlreichen Fehler und Versäumnisse zu tragen, so unendlich daneben.“

Mein erster Cover-Song ist noch nicht die Endversion. Wir werden die Belichtung und die Synchronizität verbessern sowie eine Änderung am Ende der Aufnahme anbringen. Ich hoffe, dass wir noch im April die Endversion zeigen können. Das hängt auch von den Resultaten am kommenden Freitag ab, und von ihnen hängen auch unsere Ferien (Ups, schon wieder Schulferien = schon wieder Verzögerungen; kommt bestimmt wunderbar gelegen, nicht?) ab:

Barcelona? Wir werden sehen…

Das Kompliment mit dem Schlanksein ist auch in dem Sinne zweischneidig, als dass ich zur Zeit deutlich schwerer bin als meistens. (Und „meistens“ ist Lichtjahre entfernt von oben beschriebenen Zuständen.) Das hat einerseits mit der (gewünschten!) Nebenwirkung des Medikaments, um endlich, endlich, endlich wieder schlafen zu können – „dass diesbezüglich im vergangenen Winter ein neuer, nicht mehr vorstellbarer Tiefpunkt erreicht wurde, ist höchstwahrscheinlich ebenfalls eurem Verhalten zu verdanken…“ -, andererseits mit der eingeschränkten Bewegung seit der Operation zu tun.

Das Tragen würde immer noch funktionieren, wäre aber anstrengender. Und weil mir die Episode für immer in Erinnerung bleiben wird, weil ich beim Lied „Snows of New York“, das ich als übernächstes aufnehmen werde, das heisst bei den Zeilen „You have always been such a good friend to me“, sowieso immer Nora und Felipe vor Augen habe, weil ich die Zeilen „We have talked all night, and I can‘t talk anymore“ – da ging es unter anderem um meine Blutwerte… – schon einmal für ihn gesungen habe und weil die Zeilen „And when there was just one set of prints in the sand, that was when you carried me“ seit letztem Oktober eine bittersüsse, zutiefst persönliche Note erhalten haben, widme ich das Lied hier allen Menschen, die andere tragen – sei es im wörtlichen, sei es im übertragenen Sinn:

 

 

 

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