Mache wasi will

„Ihres Läbe isch sooo interessant.“, stellte eine Schülerin fest, obschon sie über mein Leben nur ganz, ganz wenig weiss… Aber in der Tat: Jedes Mal, wenn auch für mein turbulentes Leben zusätzlich turbulente Ereignisse eintreten und mich auf Trab halten, denke ich, ich hätte nichts sagen oder schreiben sollen – dann wirds nämlich noch verrückter.

Jedenfalls war die Hoffnung am letzten Sonntag, dass Felipe am darauffolgenden Montag nach Hause könne, ziemlich naiv. Wobei „naiv“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist; vielmehr war es so, dass er mir nicht alles auf einmal sagen wollte, um mich zu schonen.

So erfuhr ich erst anfangs Woche, dass er sich beim Sturz von der Leiter nicht nur am rechten Arm, sondern auch an der Wirbelsäule verletzt hatte; an der Lendenwirbelsäule, um genauer zu sein. Ich hatte mich zwar am Wochenende gewundert, warum er so langsam ging, dachte aber, dies sei auf den Schock nach dem Unfall, auf den damit verbundenen angeschlagenen Allgemeinzustand und auf die Einwirkung von Medikamenten zurückzuführen.

Na ja: Wir sind natürlich in erster Linie erleichtert, dass das Rückenmark unversehrt geblieben ist und daher keine Lähmungen zu befürchten sind, sondern die Verletzungen einzelne Wirbel, die gestaucht worden sind, sowie Sehnen und Bänder betreffen. Der Armbruch ist nicht „einfach“ ein Speichenbruch wie in den meisten Fällen, sondern beide Knochen, also Speiche und Elle, sind gebrochen: ein sogenannt kompletter Unterarmbruch – ziemlich beschissen.

Das Ausmass der Verletzungen war denn auch der Grund, warum er von dem seinem Wohnort am nächsten gelegenen Spital in eine Spezialklinik verlegt wurde, die – immerhin das war ein Vorteil – meinem Wohnort näher ist: Von Montag bis Freitag war er dort; seit vorgestern Abend, also Freitagabend, ist er wieder im Spital, in das er eine Woche zuvor eingeliefert worden war, und kann morgen höchstwahrscheinlich nach Hause.

In Bezug auf den Heilungsverlauf sind wir zuversichtlich, da Felipe sonst gesund ist (also nichts Chronisches hat…), nicht raucht, einen gesunden (nicht zu verwechseln mit asketischen, fanatischen oder ideologischen…!!!) Lebensstil pflegt und auch vom Alter her keine Komplikationen zu erwarten sind. Er ist zwar, wie ich, wenn ich mich richtig erinnere, schon einmal erwähnt habe, ein bisschen älter als ich, hat aber auch immer noch die „4“ vorne dran. 🙂 – Von daher sollte das schon gut verheilen, auch wenn es natürlich (viel) Zeit und er (viel) Geduld brauchen wird.

Ich war – mit Ausnahme vom Montag, weil ich nicht nur am Morgen, sondern auch am Nachmittag unterrichtete und am Abend mit meiner Mutter ein Konzert von Toni Vescoli besuchte – jeden Tag bei ihm; sein (älterer) Bruder und dessen Frau waren am Montag, Mittwoch und Freitag dort, und später treffen wir uns erneut, worauf ich mich wiederum sehr freue. Wir haben abgemacht, nach dem Besuch Pizza essen zu gehen und eine Flasche italienischen Rotwein zu teilen; ob ich das dann allerdings übers Herz bringe und nicht doch bei Felí bleibe, kann ich jetzt nicht sagen. (Sie wissen das und verstehen mich ohne viele Worte.)

Auch sein zweiter (jüngerer) Bruder, den ich etwas weniger gut kenne, aber ebenfalls gut mag, ist zu Besuch gekommen, und seine Schwester, die mit ihrer Familie in Spanien wohnt, halten wir per Telefon und Nachrichten auf dem Laufenden. Auch Freunde und Arbeitskollegen von ihm sowie ein Nachbar, der ältere Herr, für den er die Lampe hatte montieren wollen, sind zu Besuch gekommen.

Letzterer macht sich natürlich Vorwürfe…; er tut mir richtig leid. Ich hab ihn auch schon angetroffen, und er meint jedes Mal, ich sei Felís Exfrau oder Freundin oder Geliebte… Jedes Mal versuche ich geduldig, ihm zu erklären, dass ich nichts von alldem sei, und dann lacht er mich halb gutmütig, halb schelmisch an, als ob er es nicht glauben könne.

Ich werde, sobald Felí wieder zu Hause ist und ich ihn dort besuche, mal in Ruhe mit Herrn W. Kaffee trinken und mit ihm reden; vor allem werde ich ihm das schlechte Gewissen auszureden versuchen. Er hat ja auch gar nichts falsch gemacht, sondern Felí war wohl etwas unaufmerksam, übersah einen Tritt und konnte den Sturz nicht mehr verhindern.

So erinnert er sich selbst auch an den Unfallhergang; danach war er bewusstlos, was ich ebenfalls erst nach meinem letzten Blog-Beitrag erfuhr und was den Spitalaufenthalt zusätzlich verlängert hat. Gestern hab ich zu ihm gesagt: „Wenn du am Montag nicht nach Hause kannst, bist du länger (am Stück) im Spital, als ich je gewesen bin.“

Ach ja, und am Montag, dem einzigen Tag, an dem ich nicht bei ihm war, zeigte ich mich dafür auf andere – jedoch äusserst unfreiwillige (!) – Art solidarisch: Als ich am Nachmittag von den Gruppenräumen zurück ins Klassenzimmer ging, kam gleichzeitig ein Schüler heraus und rammte mir mit der für 15-Jährige nicht untypischen Heftigkeit die Türklinke in den linken Arm. (Nicht absichtlich natürlich; er hatte mich nicht sehen können.)

Das tat so weh, dass mir für einen Augenblick Schwarz vor Augen wurde und ich danach zwar weiter unterrichten, jedoch nichts mehr mit dem linken Arm halten, geschweige denn tragen konnte. Ich war froh um die Klassenassistenz, die mir half und sich sehr einfühlsam zeigte; am folgenden Tag war ich froh um den Zivildienstleistenden, der mir Material abnahm und es hochtrug.

Da ich in solchen Fällen leider angehalten bin, zu einem Arzt oder einer Ärztin zu gehen, weil bei einem so komplexen Krankheitsbild wie meinem alles festgehalten und überwacht werden sollte, und da ich jedes Mal eben aufgrund dieses vielschichtigen Krankheitsbilds sofort einen Termin bekomme, stellte sich am Dienstag heraus, dass ich mir – wenig verwunderlich – eine Prellung zugezogen hatte: Genau wie vor zwei Jahren, als Taieb mit seinem Fuss ausschlug, weil das Desinfektionsmittel auf seiner Wunde so stark brannte, und meinen Arm traf, wodurch Venen und Nerven geprellt wurden. An den Armen bin ich besonders anfällig für Verletzungen, weil sie (sehr) schlank sind.

Und ja, wie ich schon ein paarmal geschrieben habe, weil es für gewisse Leute sooo schweeer verständlich ist: Wer chronisch krank ist, hat oft ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko, weil chronisch Kranke allem gegenüber schwächer sind, weil die Reaktionszeit verlangsamt und die Aufmerksamkeit vermindert ist, weil der Schlafmangel und die starken Medikamente sich negativ auswirken, weil der Körper dauerhaft geschwächt und geschädigt ist, weil…, weil…, weil…

Wie auch immer: Das Jahresrezept für Verbandsmaterial kann ich zur Zeit auch für meinen linken Arm brauchen; bin nur froh, dass es das auch in „Hautfarbe“ gibt, da mir Weiss für den Fuss zwar nichts ausmacht, für den Arm „Hautfarbe“ bei Temperaturen, bei denen ich kurze Ärmel trage, jedoch schon viel lieber ist. Weh tut es immer noch, aber nicht mehr so wie zu Beginn. Tragen kann ich nichts mit dem linken Arm, alles andere geht mehr oder weniger.

Am Donnerstag war ich, als ich am Mittag nach Hause kam, so geschafft, dass ich wirklich nichts mehr, gar nichts mehr machen, d. h. gerade noch ganz knapp Gabel und Glas halten konnte, und von 14 bis 16 Uhr im Bett war. Leider konnte ich trotz (sogar für meine Verhältnisse) extremer Müdigkeit nicht schlafen, war aber danach immerhin wieder imstande, aufstehen und gehen zu können, und fuhr gegen Abend zu Felí.

Ich hatte vor, höchstens eine Stunde zu bleiben, aus der dann unversehens drei oder vier Stunden wurden, sodass ich irgendwann keine Chance mehr hatte, nach Hause zu kommen. (Ein Taxi wäre mir definitiv zu teuer gewesen…!) Das Spitalpersonal war sehr nett zu mir, und ich musste (und muss) mich nicht an die Besuchszeiten halten.

Das ist ganz witzig; ich vermute, Felipes (älterer) Bruder, der, wie auch schon erwähnt, Arzt ist und mir medizinisch und freundschaftlich zur Seite steht, steckt dahinter. Nebst den Tatsachen, dass erstens Felí privat versichert ist und ich darum niemanden stör(t)e und zweitens das Personal wohl auch gemerkt hat, dass meine Besuche ihm guttun.

Was sie genau wissen oder denken, ist mir egal – das habe ich gelernt. Ich habs gut mit ihnen; das ist die Hauptsache, und es ist für mich natürlich aussergewöhnlich, nicht in der Rolle der Patientin, sondern der Besuchenden und Helfenden zu sein. Diese Rolle ist mir – insbesondere all denjenigen gegenüber, die mir durch meine schwierigen Zeiten geholfen und mich unterstützt haben – enorm wichtig.

Und ja, so verbrachte ich denn die Nacht vom Donnerstag auf den Freitag in seinem Spitalzimmer; in einem Bett, das die Pflegende vom Nachtdienst hineingefahren hatte. Klar, hab ich mich entschuldigt, aber sie winkte ab, lachte mir freundlich zu und brachte mir eine Zahnbürste, Zahnpasta, einen Waschlappen und ein Frottiertuch. Ich schlief zwar ein, nahm aber weiterhin wahr, dass die Pflegende alle zwei Stunden hereinkam, um zu schauen, ob mit Felí alles in Ordnung sei.

Mein Glück war, dass ich die Schultasche – und nicht wie üblicherweise eine meiner Handtaschen – dabei hatte, weil ich im Zug lesen und vorbereiten wollte. So hatte ich wenigstens für die Arbeit alles dabei; sogar eine Bürste, mein Spezial-Make-up, das ich verwenden muss, um das Sonnenlicht, das einen Krankheitsschub auslösen könnte, vom Gesicht fernzuhalten, und zwei Lippenstifte waren noch in der Schultasche, weil ich zu müde gewesen war, sie herauszunehmen. (Also Glück im Unglück.)

Nur Medikamente hatte ich keine dabei, aber da ich zur Zeit nichts Lebensnotwendiges nehmen muss, sondern „nur“ ein Medikament zur Erhaltungstherapie sowie dasjenige zum Schlafen, weil die intensiven Kortisontherapien mir da alles, was durcheinanderkommen kann, durcheinandergebracht haben, war das nicht weiter schlimm.

A propos Schlafmangel, Schlafentzug und Müdigkeit: Es gibt Gründe, warum in der Medizin der Fachbegriff „Fatigue“ verwendet und nicht einfach von Müdigkeit gesprochen wird, gute Gründe sogar: Weil eben die Form von Müdigkeit, die chronische Erkrankungen und harte Therapien verursachen, ungleich umfassender, erschlagender und weitreichender ist als jegliche geläufige Formen von Müdigkeit, die überdies meist auf einen nicht schon an sich negativen Grund zurückzuführen sind und/oder selber gesteuert werden könnten. Darum gibts den Begriff „Fatigue“, genau darum:

Er bezeichnet eine Form von Erschöpfung, Ausgepumpt- und Ausgelaugtsein, die es absolut unmöglich macht, gut weiterarbeiten zu können. Da liegt nichts mehr drin, gar nichts mehr: kein seriöses Vorbereiten, kein souveränes Unterrichten, kein sorgfältiges Nachbereiten und Korrigieren. Und alle, die das trotzdem immer konnten und können, sind nie wirklich müde gewesen, haben keine Ahnung, was „Fatigue“ bedeutet und wie sie sich auswirkt. Für mich, die ich es sehr wohl weiss, allzu gut weiss, war es schwer zu ertragen, wenn andere am Arbeitsplatz sich über ihre Müdigkeit beklagten, gleichzeitig aber – seltsamerweise (!) – tadellose Arbeit verrichten konnten.

Mein Gott, wenn ihr wüsstet…! Wenn ihr auch nur eine Woche lang erleben würdet, was „Fatigue“ bedeutet und wie unerbittlich sie sich auswirkt, ihr fändet es nicht mehr ach so „cool“, am zweiten Schultag nach den Ferien (der unterrichtsfreien Zeit, pardon) herumzuschauspielern, wie müde ihr schon wieder seid und wie sehr ihr schon wieder Ferien nötig habt. Ihr würdet euer Maul halten und wärt unendlich dankbar, nicht zu wissen, was „Fatigue“ eben bedeutet.

Das Gleiche lässt sich über eure Dauerdiäten und euer Dauerkasteien sagen: Wenn ihr wüsstet, wie es ist, wenn man immer wieder für Wochen, bisweilen für Monate wirklich nicht essen kann, wie es ist, wenn man immer Sirup oder Punsch trinken muss, um das Gewicht in einem einigermassen „normalen“ Bereich zu halten, und was für ein Glück für mich die Zeiten, in denen ich uneingeschränkt essen kann, darstellen, würdet ihr … – beinahe hätte ich geschrieben: euch schämen.

Aber das stimmt ja nicht einmal: Ihr würdet euch nicht einmal schämen, ihr schämt euch für gar nichts. Darum ist eine für euer Verhalten in meiner Geschichte häufig gebrauchte Bezeichnung ja auch: unverschämt. Ja, genau: un-verschämt. Ihr kennt keine Scham, keine Einsicht, kein Eingestehen von ganz grossem Unrecht und ganz groben Fehlern. Ihr kennt nur Feigheit; eine Feigheit, die in ihrem Ausmass kaum zu überbieten ist.

Was ihr alles selbstverständlich nie zugeben würdet: Das hat Programm. Vielmehr macht ihr euch wahrscheinlich lustig darüber, dass ich mich wehre und dass ich öffentlich äussere, was Sache war und Sache ist. Aber auch hierin zeigt ihr nur eines: unermessliche Charakterschwäche und unermessliche Feigheit.

Und etwas müsst ihr wissen: Auch ich mache mich lustig über euch – in guter Gesellschaft. Ich mache mich lustig darüber, dass ihr euer charakterliches Unvermögen einzig durch „Euchlustigmachen“ zu überdecken versuchen könnt; ich mache mich sogar darüber lustig, dass ich weiss, dass ihr gar keine anderen Mittel als „Euchlustigmachen“ zur Verfügung habt, um mit der Konfrontation mit all den unliebsamen Wahrheiten (und nicht euren oberdoof und oberlangweilig nachgeplapperten verschiedenen Wahrnehmungen…!) umgehen zu können. Ich mache mich jedes Mal, wenn ihr euch lustig macht und meint, ich wisse nichts davon, doppelt und dreifach über euch lustig. Und ich bedaure euch, ich bedaure euch zutiefst.

Übrigens noch aus einem Grund: Weil euer Leben offenbar so langweilig und vor allem – vermutlich in Bezug auf das Berufs- wie das Privatleben – so festgefahren ist, dass euch das Leben einer anderen Person, deren „Schicksal“ euch jedoch scheissegal ist, so wahnsinnig interessiert, dass ihr klatschen und tratschen musstet, ohne eine Ahnung von den Krankheiten und deren Auswirkungen zu haben.

So konntet ihr wunderbar von euren eigenen Unzulänglichkeiten, Festgefahrenheiten und Problemen ablenken – um das zu durchschauen, muss man nicht einmal Psychologe oder Psychologin sein. Zudem bin ich mir bestens bewusst und habe damit umzugehen gelernt, dass es Leute gibt, die neidisch sind: auf was auch immer; es gibt wohl einiges… Am meisten wohl auf den Mut zu einem Leben ausserhalb der öden, öden CH-Norm.

(Mit „ihr“ und „euch“ sind wie immer nur diejenigen, die mir (grosses) Unrecht getan haben, gemeint – niemand sonst.)

Eigentlich passt es gar nicht, in diesem Text über euch zu schreiben, euch auch nur zu erwähnen, an euch auch nur zu denken. (Was ich ausserhalb des Bloggens und des Redens mit Freundinnen und Freunden/Verarbeitens von dem, was ihr mir angetan habt, sowieso nie tue.) Eigentlich passt es gar nicht:

Weil ich in diesem Text – aus aktuellem und für mich etwas aufwühlendem Anlass – mehr als sonst über eine wunderbare Geschichte, eine wunderbare Freundschaft berichte, die wir, wenn wir damals – vor bald 25 Jahren – ein Paar geworden wären, zwar in vergleichbarer Intensität hätten aufbauen, nicht aber bewahren können:

Dass wir dies damals schon erkannten und danach handelten, bewundere ich im Nachhinein fast ein bisschen. Denn ich war damals noch durchaus naiv; dass ich das so gespürt, konsequent danach gehandelt und mir mittel- und längerfristig auf diese Art viel mehr erschaffen habe, erstaunt mich, um ehrlich zu sein, im Nachhinein.

Und Texte, in denen ich ausführlicher als sonst darüber berichte, sollte ich eigentlich nicht mit der Wirtschaftsschule KV Winterthur verschmutzen. Jetzt hab ichs – der Kontinuität wegen – doch getan und hoffe, dass bei den Lesenden trotzdem etwas vom Zauber, der dieser Freundschaft innewohnt, ankommt:

Der letzte Beitrag hat es, wie ich soeben gesehen habe, jedenfalls wiederum locker in den vierstelligen Bereich geschafft und ist von einer grösseren Anzahl Lesenden, als ich vermutet hätte, auf FB geteilt worden; wenn ich ihn noch ein paar Tage bewerbe, knackt er den fünfstelligen Bereich. Auf die persönlichen Rückmeldungen, die ich erhalte, versuche ich einzugehen, und es freut mich, dass auch die zum Blog gehörende E-Mail-Adresse entdeckt worden ist.

Öffentliche Kommentare nützen dem Blog natürlich am meisten, aber ich verstehe, wie auch schon erwähnt, dass die meisten mir lieber persönlich schreiben. Und der Blog liegt bei „Google“ so oder so gut im Rennen, wie es bei regelmässig produziertem qualitativ hochstehendem Inhalt die übliche Praxis ist.

Den Titel des letzten Beitrags habe ich auf „Zwei Unfälle und ein Zufall“ geändert, weil „Ein Zufall“ einfach zu langweilig war. Ich weiss gar nicht, was mich da geritten hatte; wahrscheinlich wollte ich einfach so schnell wie möglich fertig sein und zu Felipe fahren. Klar, der jetzige Titel ist auch nicht der grosse Coup an Fantasie und Kreativität, aber immerhin etwas besser… 😉

Eine weitere kleine Ergänzung: Bei der Zeitung arbeite ich nicht mehr, weil ich da jeweils mehrere Stunden aneinander auf den Füssen sein musste, ohne die Gelegenheit zu haben, mich zwischendurch hinzusetzen. Daher haben mir der mich operierende Chirurg und die mich behandelnde Oberärztin von der Schulthess Klinik empfohlen, ein Jahr lang damit zu pausieren. Schlimm ist dies für mich nicht, obschon ich innerhalb kürzester Zeit wirklich viele wirklich interessante Menschen kennengelernt hatte.

Und eine Ergänzung zur Erwähnung meines Arbeitszeugnisses: Es widerspricht gesetzlichen Vorgaben in mehreren Punkten und entspricht vor allem überhaupt nicht meinen früheren Mitarbeiterbeurteilungen. Die letzte solche MAB lag damals, als ich wieder krank wurde bwz. ein erneuter, sehr langer und sehr heftiger Schub ausbrach, lediglich ein halbes Jahr zurück… – wie merkwürdig…!

Aber klar, wenn die Schulleitung sich in ein Burnout manövriert, wozu ich, wie bereits angedeutet, noch viel mehr öffentlich äussern werde, wenn es denn notwendig wird, insbesondere diesbezügliche Aussagen und Handlungen von Mitarbeitenden sowie von aussenstehenden Fachpersonen, dann kippt ein Schalter, was jegliches Verständnis komplett verunmöglicht.

Dort lag – und liegt offenbar – der springende Punkt – auch dazu muss man nicht Psychologie studiert haben… (Aber den Mut, es zu äussern und sich nicht von dem Gelabbere der Wahrnehmungen und Bilder einschüchtern zu lassen: Den brauchts. (Und den hab ich – was nicht allen gefällt, ich weiss schon. Aber ich richte mein Leben auch nicht danach aus, allen zu gefallen; das wäre mir vieeel zu blöd.))

Und eine weitere Frage an euch (ja, nur „euch“) ist mir eingefallen: Habt ihr nie bemerkt, dass ich ziemlich oft irgendwo Pflaster oder Gazen (oder etwas Ähnliches) hatte…?! Und wenn doch, was habt ihr euch denn dabei gedacht? Nichts? Oder dass ich mich jedes Mal in der Küche so ungeschickt angestellt hätte? Oder sie gar als Accessoires brauchte?

Dass ein Wolf mich gebissen haben könnte, ist euch ganz bestimmt nicht in den Sinn gekommen. So war es aber meistens: Es waren Wunden, die aufgrund von autoimmunen Prozessen „wie angeworfen“ kamen und die ich mit Salben behandeln und schützen musste, obschon dies die Ursache an sich natürlich nicht bekämpft. Solche habe ich immer noch recht häufig, aber damit kann ich gut leben – auch damit.

Manchmal hatte ich mich tatsächlich verletzt; wie schon mehrfach und hier oben erwähnt, ist mein Unfallrisiko im Vergleich zu gesunden Menschen (deutlich) erhöht:

Auch der schwerere Unfall Mitte Dezember 2016, den die Schulleitung der Wirtschaftsschule KV Winterthur für inszeniert hielt, war zu 99% durch den allgemeinen Schwächezustand nach dem langen und heftigen Schub und den harten Therapien mitverursacht worden.

Genau so hielt mein Internist dies auch in einem Bericht fest: Der Internist, der meine Ruhe und Gelassenheit bewundert(e), während die Schulleitung, die keine Ahnung hatte, weil sie keine Ahnung haben wollte, meinte, mir beibringen zu müssen, wie ich mich zu verhalten hätte. (Ha, ha. – Euch würden wir sehen wollen in all meinen Situationen: ja, euch, genau euch. (Ha, ha.))

Der Internist auch, der Mitte Mai 2016 „schwere und ausgeprägte“ (Zitat) Entzündungen innerer Organe diagnostiziert hatte und – leider – seine ursprüngliche Prognose eines leichten bis mittleren Verlaufs meiner Krankheiten über den Haufen werfen musste. Während die Schulleitung der Wirtschaftsschule KV Winterthur mich gleichzeitig auf FB ausspionierte und mir – zusammen mit ehemaligen Arbeitskollegen und -kolleginnen – die acht Tage auf Kreta missgönnte. – Mein Gott, wart ihr hässlich, wart ihr bedauernswert hässlich in eurem kranken Verhalten.

Für mich siehts jetzt wieder viel besser aus: Nämlich so, dass ich zwar ständig irgendwelche Symptome habe, aber – und das wäre natürlich alles Glück vom Himmel – wahrscheinlich meinen längsten und schwersten Schub hinter mir habe. Verschiedene medizinische Parameter und Beobachtungen seit dem Absetzen von „Imurek“ im Januar dieses Jahres sprechen dafür.

Auch darum bin ich ins Arbeitsleben zurückgekehrt und kann gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich dafür bin:

Am Freitag vor einer Woche kam der Schulleiter auf Unterrichtsbesuch, wie es bei neuen Lehrpersonen üblich ist, und gab mir anschliessend eine sehr faire, wertvolle und positive Rückmeldung. Und er kann niemals wissen, wie gut es mir getan hat, dass er mindestens viermal Ausdrücke wie „Power“, „powern“ oder „durchpowern“ gebraucht hat:

Er fand nämlich, ich könne und solle Tempo herausnehmen und das Ganze langsamer angehen. Wenn ich bedenke, dass es mir selbst gar nicht als so „powerful“ vorgekommen war und mir nicht wirklich viel abverlangte, führt diese Rückmeldung zudem zu einer Art Entspannung, die ich mir auf jeden Fall leisten kann – weil ich auch dann, wenn ich es selbst gar nicht als „powerful“ wahrnehme, noch mehr als genug „Power“ habe, damit im Unterricht was läuft.

Zudem habe ich zwei zusätzliche Stellenangebote für ein paar zusätzliche Lektionen, die mich beide sehr interessieren, von denen ich aber noch nicht weiss, ob sie mit der bestehenden Stelle zu vereinen sind. Und in der Klassenlager-Woche, in der die Klassenlehrer eben im Lager waren, übernahm ich als Fachlehrerin die Gymi-Vorbereitung (Gymnasium) von einem Kollegen: und zwar nicht in Deutsch, Englisch oder Französisch…, sondern: in Mathematik!

Da war ich dann ein bisschen am Ausmultiplizieren, Ausdividieren, Ausklammern und Vereinfachen von Termen. (siehe Foto ganz unten) Ich dachte, ich könne gar nichts mehr, aber siehe da: Ich hatte das noch voll im Griff und konnte zu meinem eigenen Erstaunen alle Fragen beantworten. (Nachdem ich, als die erste Hand nach weniger als drei Minuten in die Höhe ging, unnötigerweise ins Schwitzen gekommen war… 😀)

Wo ich Energie schöpfe? Gute Frage. (Die ich in persönlichen Nachrichten gerne ausführlicher beantworte…) In ganz vielem…, in ganz vielen Alltagsmomenten, die ich eben alle nicht (mehr) als selbstverständlich betrachte und empfinde. Und in der Musik:

Am Montagabend besuchte ich, wie erwähnt, ein Konzert von Toni Vescoli, gestern Abend eines von Michael von der Heide. Beide finde ich super, um nicht zu sagen: genial. Toni, dessen Motto „Mache wasi will“ (siehe Foto unten) mir absolut entspricht, erzählte zwischen zwei Songs von seinem Buch, das er geschrieben hatte – über 500 Seiten und mit lustigen Bildern, wie er erklärte.

Ich dachte mir da schon, ich würde es mir in der Pause anschauen und bei Gefallen für Felí kaufen. Der hat jetzt ja Zeit für die über 500 Seiten…! 😉 Als ich dann in der Pause mit Toni ein bisschen ins Gespräch kam, signierte er mir das Buch noch richtig schön: Für Felipe. (siehe Beitragsbild) Beim Durchblättern hatte ich ein Bild entdeckt, wo Toni offenbar auch mal den rechten Arm gebrochen hatte: Spätestens da bestand kein Zweifel mehr und ich wusste, dass dies das richtige Geschenk war. (siehe Foto unten)

Ach ja, und die Schülerin, die mich kaum kennt, aber offenbar vieles spürt, hatte natürlich recht: Mein Leben ist in der Tat interessant. Das war es eigentlich immer schon; von meinen ausgelassenen und gleichzeitig erfolgreichen Zeiten in Zürich und Birmingham, GB, über die mehrjährige und äusserst intensive Fernbeziehung mit meinem Mann, als ich das Flugzeug so oft bestieg wie andere das Tram (Aussage einer damaligen Nachbarin) und aus der zwischen 80 und 90 Stempel von den Flughäfen Tunis oder Casablanca in meinem Pass stammen, über die gesundheitlich massiven Herausforderungen bis ganz zurück in meine abwechslungsreiche und unbeschwerte Kindheit/Jugend bis und mit heute, dem jetzigen Zeitpunkt des Schreibens, wo ich eigentlich keine Zeit mehr habe, den Text noch durchzulesen, da ich dringend zu Felipe fahren möchte.

Vorgestern Morgen brachte mir die Pflegende frühmorgens zwei Kaffees und ein Brötchen, das ich einsteckte und mitnahm; ich duschte kurz, fuhr Felí mit der Hand über Stirn und Haare, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und rannte aufs Tram.

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